Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige

Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige: Manfred Büttner und Christine Lehmann
Schon im Vorwort macht die Autorin Schluss mit der Illusion der schönen Krimiwelt in Film und Fernsehen. Was wir tagtäglich an Storys vorgesetzt bekommen, inklusive dem obligatorischen Samstag-Abend-Krimi, ist der reinste Unfug.
Die Morde hätten sich niemals so abspielen können, die Ermittler würden nie so vorgehen wie sie es im Fernsehen machen, schon gar nicht so dämlich, Harry holt nicht den Wagen und Derrik ist kein Oberinspektor. Den gibt es in Deutschland nämlich gar nicht.
Aber beginnen wir am Anfang, beim Motiv. Während bei den meisten realen Verbrechen niemals bekannt wird warum sie begangen wurden, ist das im Krimi ganz anders. Denn der Mensch will, wenn er schon kein Happy End bekommt, wenigstens wissen warum er keins bekommt.
Die beliebtesten Krimimotive wie wie Rache oder Eifersucht werden gründlich zerlegt und es kommen stattdessen Krimi-Aussenseitermotive wie das “Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom” oder “Neonatazid” ins Spiel.
Mordarten folgen auf dem Fuße, von Selbstmord über Erschießen bis Erhängen ist alles da. Auch vor den Feinheiten des Ertrinkens und warum man in Süßwasser kein Wasser in der Lunge hat wird der Leser nicht verschont
Eine kleine Giftkunde von Arsen über Zyankali bis zu Naturgiften macht den Lesespaß perfekt. Auch Viren kommen an die Reihe, das Ebola-Virus ist übrigens ein ziemlich dummes Virus, ganz im Gegensatz zur Grippe.
Ist das Opfer erst tot, laufen irgendwie die Ermittlungen an, das kennt man aus dem Fernsehen. Wie das wirklich läuft und wer wann was tut, wird nun in 12 Schritten erklärt. Vom Eintreffen der Polizei über die Obduktion bis zur Beerdigung folgt alles genau festgelegten Schritten nicht etwa dem Gutdünken des Inspektors oder einer wild gewordenen Staatsanwältin. Die ganz nebenbei gesagt nur sehr selten am Tatort auftaucht.
Die Ermittlungen werden durchgeführt von Polizisten der verschiedensten Dienstränge und Aufgabenbereiche. Zeit also, sich einmal genau anzusehen wen es tatsächlich gibt, wie er besoldet wird und was er zu tun hat. Spannend auch, was ein SEK, MEK, Soko oder BKA zu tun hat.
Durchsuchungsbefehle gibt es übrigens nicht, nur Durchsuchungsbeschlüsse und die stellt auch nicht der Staatsanwalt aus sondern ein Richter. Genauso den Haftbefehl, nur dass der wirklich Befehl heißt. Allerdings gibt es wieder feine Unterschiede zwischen einer Festnahme und einer Verhaftung, zu einem Verhör führen sie übrigens beide nicht.
Für Krimiautoren ergeben sich nach Lektüre des Buches ganz neue Ansätze und für den Krimifreund ist es einfach urkomisch, so manchen spannenden Fernsehkrimi Scheibchenweise zerlegen zu können, weil die Handlung einfach Dilettantisch ist oder der Täter in Wirklichkeit nach wenigen Minuten feststehen müsste, wenn man nur den Tatort ordentlich untersuchen würde.
Die Aussagen im Buch beziehen sich übrigens rein auf deutsche Verhältnisse, denn unsere Rechtsgrundlagen sind mit denen anderer Ländern selten zu vergleichen.

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Manfred Büttner und Christine Lehmann
Von Arsen bis Zielfahndung: Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
2009. 250Seiten
Format 20,8 x 13,4 x 2,2 cm
€ [D] 16,90
ISBN-10: 3886197204
ISBN-13: 978-3886197200
