Angel Wagenstein: Leb wohl Shanghai
Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs. Die junge Schauspielerin Hilde Braun bekommt die Chance ihres Lebens. Weil sie arisch aussieht soll sie in einem der zahllosen deutschen Propagandafilme mitwirken und davor noch eben in Frankreich fotografiert werden. Was aber keiner weiß, sie ist Jüdin.Die Reichskristallnacht tobt gerade auf den Straßen Dresdens, als der jüdische Konzertmeister Theodor Weisberg gerade sein vorerst letztes Konzert gibt. Haydns Sinfonie Nr. 45 in fis-Moll, passenderweise auch Abschiedssinfonie genannt.
Direkt nach Verlassen der Bühne wird er mitsamt seinem ganzen Orchester verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, seine Frau Elisabeth tut alles um ihn freizukaufen, setzt den gesamten Familienschmuck ein.
Hilde Braun taucht in Frankreich unter, lernt dort den etwas zwielichtigen Vladek kennen. Das Ehepaar Weisberg beschließt ebenfalls wehmütig die Heimat aufzugeben und möglichst schnell zu fliehen. Leicht ist das nicht, denn so kurz vor Kriegsausbruch will kein Land der Erde mehr jüdische Flüchtlinge aufnehmen.
Oft werden die Auswanderungsversuche deutscher Juden gerade durch ihre Volksgenossen in den USA, Russland oder auch auf Kuba verhindert da diese die zusätzliche Konkurrenz fürchten. So viel zum Thema Menschenliebe ….
Alle drei landen aber schließlich doch in Shanghai. Vorerst gerettet aber am Eingang zu einer ganz neuen Hölle.
Denn vom heutigen Glanz der chinesischen Millionenstadt ist damals nicht viel zu sehen. Schon gar nicht für Flüchtlinge die ohne einen Cent in der Tasche im Armenviertel in Hongku, der riesigen Vorstadt Shanghais, landen.
Märchenhaften Reichtum gibt es schon, sogar jede Menge, aber der ist für die meisten unerreichbar.
Zudem sind sich auch die verschiedenen jüdischen Gruppierungen untereinander nicht grün, von Solidarität keine Spur.
Während sich die verarmten Juden gegen Übergriffe chinesischer Nazis wehren müssen, schafft es Hilde Braun mit Hilfe ihres arischen Aussehens einen Job als Sekretärin bei der deutschen Botschaft zu ergattern. Unter Einsatz ihres Lebens beginnt sie, Informationen an den Widerstand weiterzugeben.
Der Leser taucht förmlich ein in die schwülwarme und zutiefst feindliche Atmosphäre des Shanghai dieser Zeit. Er fiebert mit, mit den Protagonisten, gleich welcher Partei sie angehören, er staunt über die ungeahnten Ereignisse die sich plötzlich überschlagen.
Äußerst fesselnd erzählt der Autor eine Geschichte von Krieg, Gewalt und Tod, aber auch von Freundschaft und Liebe weit jenseits ethnischer oder geografischer Grenzen.
Angel Wagenstein, selbst Überlebender des Holocaust, erinnert dabei an ein düsteres, fast vergessenes Kapitel in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. An die Flucht von zehntausenden Juden aus Nazideutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Shanghai und ihren erbitterter Überlebenskampf.

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Angel Wagenstein
Leb wohl Shanghai
2010. 352 Seiten
Format 21,8 x 14,4 x 3,6 cm
€ [D] 22,95
ISBN-10: 3570580083
ISBN-13: 978-3570580080

