Tarquin Hall: Die verschwundene Dienerin
“Wir sind alle nur einen Atemzug vom nächsten Leben entfernt”Zwölf Mordanschläge hatte er jetzt schon überlebt. Obwohl seine Liste der üblichen Verdächtigen derzeit nur vier in Frage kommende Mörder enthielt, würde es sicher schwer werden den letzten zu finden. In der indischen Millionenstadt Dehli gab es hunderte von Auftragsmördern, arme Kerle die selbst nur irgendwie überleben wollten.
Aber mittlerweile hatte sich der indische Privatdetektiv Vish Puri schon fast daran gewöhnt dass man ihm auflauerte, auf ihn schoss oder gar wilde Nashörner auf ihn hetzte.
Immerhin nimmt er seine Sicherheit nicht auf die leichte Schulter. Sein Wagen ist gepanzert, er hat zwei Wachhunde und einen gut bewaffneten Wächter. Er ist schließlich einer der besten Privatdetektive in ganz Indien, wenn nicht sogar der beste.
Dennoch muss er sich immer noch viel zu oft mit nichtigen Dingen beschäftigen, dem Ausspionieren von zukünftigen Ehemännern beispielsweise, die den Brauteltern nicht ganz geheuer sind. Denn auf Anstand und Sitte wird in Indien großen Wert gelegt, ein fremdgehender Zukünftiger muss da unbedingt vermieden werden.
Aber gelegentlich gibt es auch interessante Fälle, wie den eines angesehenen Anwaltes, der beschuldigt wird eine seiner Dienerinnen vergewaltigt und ermordet zu haben.
Puri muss all sein Können einsetzen und sein ganzes Personal, denn der Fall ist nicht leicht zu knacken. Die indische Öffentlichkeit ist geradezu euphorisch über eine derart spektakuläre Verhaftung und die Polizei derart unfähig dass es weh tut. Die allgegenwärtige Korruption tut ihr Übriges.
Zudem mischt sich auch noch Puris Mutter ein, die es einfach nicht lassen kann selbst auf Verbrecherjagd zu gehen und zumindest den jüngsten Mordversuch aufzuklären.
Auf charmante und unwiderstehlich spannende Art und Weise führt der Autor eine neue Gestalt in die Welt der Krimiliteratur ein. Vish Puri ist so etwas wie der Hercule Poirot in Neu-Delhi und hat so seine eigenen Methoden und eine Menge guter Verbindungen.
Neben der eigentlichen Story erfährt der Leser eine ganze Menge über das Leben im modernen Indien. Über die gesellschaftlichen Probleme die das immer noch intakte Kastenwesen mit sich bringt oder über die wachsenden gesellschaftlichen Spannungen zwischen der wohlhabenden Mittelschicht und der breiten armen Masse.
Gerade dieses Gesellschaftsleben, das für den westlichen Betrachter wahrlich chaotisch erscheint, ist der ideale Schauplatz für einen Kriminalroman wie diesen, der bis zur letzten Seite höchst spannend bleibt. Man darf gespannt sein auf weitere Folgen dieser Reihe.

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Tarquin Hall
Die verschwundene Dienerin
2010. 384 Seiten
Format 18,6 x 11,8 x 3,6 cm
€ [D] 8,95
ISBN-10: 3453434161
ISBN-13: 978-3453434165

