Daniel Everett: Das glücklichste Volk

Das glücklichste Volk von Daniel Everett

Das glücklichste Volk von Daniel Everett

Ein evangelischer Missionar und Professor für Linguistik geht in den Amazonas um einem Indianervolk das Christentum zu bringen. Wer dahinter eine jener abgedroschenen Bekehrungsstorys christlicher Missionare vermutet liegt vollkommen falsch.

Das besagte Indianervolk, das für sein Leben so wichtig werden sollte, ist das der Pirahã. Bislang relativ unerforscht und mit wenig Kontakt zur Außenwelt.

Bezahlt wird er von der Kirche und einzelnen Spendern, das Ziel ist es die Bibel in die Sprache der Indianer zu übersetzen damit auch sie in den Genuss der grandiosen Erhabenheit dieses Werkes kommen und endlich errettet werden.

Aber bevor Everett mit seiner Übersetzungs- und Missionsarbeit beginnen kann, verbringt er erst einmal Jahre damit die Sprache und Kultur der Indianer zu verstehen. Eine schwierige Angelegenheit, denn diese sprechen nur ihre eigene Sprache und Dolmetscher gibt es nicht. Das Volk ist nahezu unerforscht.

Everett muss sich also mit Forschungen im monolingualen Umfeld herumschlagen und darüber hinaus mit einer tonalen Sprache wie beispielsweise auch das Chinesische eine ist. Trotz seiner Begabung für Sprachen ist das keine leichte Aufgabe und an missionieren ist in dieser Situation gar nicht zu denken.

Schnell findet er heraus, dass es weder Wörter für Farben gibt noch Zahlen. Auch das Sprechen über die Vergangenheit ist den Pirahã völlig unbekannt, was später noch zu einem echten Problem werden sollte. Immerhin ist die ganze Bibel eine Geschichte aus der Vergangenheit!

Was aber viel schneller zum Problem wird, ist dass Seine Frau und seine Tochter an Malaria erkranken. Mitten im Urwald ohne Funkgerät und sonstige Hilfe lebensbedrohend. Sie überleben knapp und nach einer abenteuerlichen Fahrt über mehrere Flüsse, durch den Dschungel ins Krankenhaus und einer mehrmonatigen Genesungszeit beginnen sie ihr Abenteuer bei den Pirahã-Indianern erneut.

Erstaunt muss Everett feststellen, wie anders die Kultur dieser Menschen doch ist. Manchmal erschreckend für ihn und sein christliches Verständnis von Gesellschaft.

Jeder ist dort selbst für sich verantwortlich, selbst kleine Kinder müssen selber klarkommen und sehen wo sie bleiben. Dafür werden sie nicht so albern behandelt wie unsere westlichen Kinder und als Jugendliche verhalten sie sich zwar genauso wie bei uns, werden aber weder depressiv noch Ziellos. Auch das Sexualleben seiner neuen Nachbarn ist für ihn nicht leicht zu verdauen.

Langsam aber sicher findet er sich in der Kultur der Pirahã zurecht und hilft sogar dabei die Grenzen ihres Landes zu sichern. Immerhin hat er bislang schon viele Jahre bei ihnen verbracht und erkannt, dass die größte Bedrohung ihres Lebens von außen kommt. Die brasilianischen Nachbarn der Indianer halten diese wohl für so etwas wie Affen, die kein Recht an ihrem Land hätten.

Am Ende bekehrt nicht er die Indianer sondern sie ihn, ohne dass sie etwas anderes getan hätten als schon hunderte von Jahren zuvor. Sie lebten einfach glücklich. Ein grandioses Buch, das spannende Abenteuer mit Feldforschung und dem Hauch einer perfekten Welt verbindet.

So ganz nebenbei erfährt der Leser so einiges über den Aufbau und die Probleme einer linguistischen Feldforschung, wie Everett sie durchgeführt hat und über die Linguistik selber. Immerhin sind es diese Forschungen die den Hauptteil seiner Zeit im Dschungel verschlingen.

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Daniel Everett
Das glücklichste Volk
2010. 416 Seiten
Format: 22 x 14,6 x 4 cm
€ [D] 24,95
ISBN-10: 3421043078
ISBN-13: 978-3421043078

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