Giuseppina Vitale / Camilla Costanzo: Ich war eine Mafia-Chefin

Ich war eine Mafia-Chefin von Giuseppina Vitale und Camilla Costanzo

Ich war eine Mafia-Chefin von Giuseppina Vitale und Camilla Costanzo

Man sagt von mir, ich sei die erste “Ehrenfrau”, die erste Mafia-Angehörige, die als Kronzeugin ausgesagt hat… Die Mafia-Lady, die mächtiger sein wollte als ihre Bosse …

Giuseppina Vitale wusste schon im Alter von sechs Jahren sehr genau was in ihrer Familie vor sich ging. Wenn ihre Brüder Leonardo, Michele und Vito mal wieder mitten in der Nacht zurück kamen, der Mutter Befehle entgegenbrüllten, sie solle sofort die Kleider waschen, auch die Schuhe …

Was vorgefallen war, hörte man dann meistens im Radio oder sah es im Fernsehen. Die Leute im Dorf konnten ihre Brüder nicht ausstehen, sie nannten sie Verbrecher, natürlich niemals offen, das traute sich keiner.

Giuseppina hasste dafür das ganze Dorf, niemals wäre sie auf den Gedanken gekommen, die Brüder könnten die Bösen sein. Sie beschützten sie, ja sie erretteten sie und sie lebte nur durch sie.

Dabei wurden sie und ihre Schwester von den Brüdern tyrannisiert, gerade in der Zeit als der Vater völlig unschuldig im Gefängnis saß. Wie es passiert war, konnte Giuseppina Vitale gar nicht mehr sagen, aber plötzlich waren sie mitten drin im Netz der Sizilianischen Mafia.

Von ihren Brüdern wird sie nicht als Frau gesehen sondern als Eigentum. Keine Freunde und schon gar keinen festen Freund darf sie haben, stattdessen kümmert sie sich zeitweise ganz alleine um die Landwirtschaft und nebenbei noch um die Geschäfte ihrer Brüder.

Die steigen unterdessen in der Mafiahierarchie immer weiter auf, die Luft wird zusehends dünner denn ein neuer interner Krieg zieht herauf. Zudem geht der Staat ungewohnt hart mit dem organisierten Verbrechen um und verhängt dutzende von Urteilen.

Da ihre Brüder nun mittlerweile mehr Zeit im Gefängnis oder in Verstecken verbringen als auf freiem Fuß, muss Giuseppina Vitale ständig zwischen ihnen vermitteln und wird dadurch langsam aber sicher selbst zur Expertin innerhalb des Clans.

Was mehr als unüblich ist, Frauen haben sich allenfalls um Kinder und Haushalt zu kümmern, keinesfalls um Geschäfte. Aber die Situation lässt ihnen keine Wahl und sie ernennen Giuseppina zur ersten Ehrenfrau in der Geschichte der Mafia.

Lange geht das natürlich nicht gut, denn sie wird genauso verhaftet und angeklagt wie ihre Brüder zuvor, alleine die Familienzugehörigkeit genügt dazu schon. Nach Jahren im Gefängnis sieht sie ein, dass der einzige Weg aus dieser Situation ihre Aussage als Kronzeugin ist.

Das Buch ist die Erzählung des Lebens von Giuseppina Vitale, der vermutlich ersten Frau die in der Mafiahierarchie aufgestiegen ist und selbst Verantwortung übernommen hat.

Wer in diesem Buch eine weitere romantische Geschichte von Ehre, Ruhm und Heldentod erwartet, wie sie so oft über die Mafia geschrieben wurden, der wird bitter enttäuscht.

Die Erzählungen von Giuseppina Vitale sind brutal, ehrlich und schonungslos. Dem Leser wird schnell klar in was für einer Umgebung voll von Hass, Gewalt und Tod die Autorin aufgewachsen ist. Schnell wird auch dem abenteuerlustigsten Leser klar, dass die Mafia ganz bestimmt kein erstrebenswerter Arbeitgeber ist. Geld hin oder her.

Giuseppina Vitale / Camilla Costanzo
Ich war eine Mafia-Chefin
2010. 192 Seiten
Format 22 x 14,2 x 2,2 cm
€ [D] 17,99
ISBN-10: 3421044422
ISBN-13: 978-3421044426

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