Maria Köllner: Neuer Lebensmut in der Begegnung mit dem Tod

Neuer Lebensmut in der Begegnung mit dem Tod von Maria Köllner

Neuer Lebensmut in der Begegnung mit dem Tod von Maria Köllner

Die Gefahr, sich in der Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen zu verlieren, ist groß. Genau diese Gefahr überwindet Maria Köllner in ihrer Geschichte über Leben und Sterben, über Freude und Trauer und über die lähmende Unfähigkeit, dem eigenen Tod in die Augen zu schauen. Ihr Appell an die Leser heißt: „die Trauer zulassen aber das Leben nicht vergessen“.

Die Geschichte ist wahr. Sie beschreibt das letzte Jahr des gemeinsamen Lebens Maria Köllners, einer Journalistin, Buch- und Filmautorin, mit ihrem Ehemann, der unerwartet an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und verstirbt.

Es ist keine Geschichte der leisen Töne, sondern vielmehr ein Schrei in der Ohnmacht des sich unaufhaltsam nähernden Todes. Maria begleitet ihren Mann bis zuletzt, doch im Laufe der zwölf Monate entfernen sich die Eheleute zusehends voneinander, bis ihnen an einem der letzten Tage eine einfache Berührung mehr bedeutet als die vielen Zärtlichkeiten des gesamten Lebens davor.

Das emotionale Auseinandertriften der beiden wird durch Marias Mann forciert und beschleunigt. Beinah durch Zufall wird Maria klar, dass ihr Mann sie mit seinem Verhalten beschützen und den Abschied einfacher machen will. Das zu verstehen war für sie sehr schwer. Ihr Mann verleugnete bis zum Schluss seine Krankheit und schaute der Wahrheit nicht ins Gesicht.

Alle Versuche ihn und sein Umfeld auf den Tod behutsam vorzubereiten schlugen fehl. Mit einer aggressiven Vehemenz lehnte er jegliche Annäherungsversuche seiner Frau an das Thema des Abschieds ab. So blieb Maria nichts anderes übrig als ihm zur Seite zu stehen und so zu tun, als teile sie seine Ansichten mit. Das Gefühl, nicht genug und nicht das Richtige für ihren Mann getan zu haben, begleitete sie ständig.

Nur aus behutsamer Offenheit und dem Verständnis, das ihr einige wenige Freunde entgegenbrachten, schöpfte sie die Zuversicht die schwierige Zeit durchstehen zu können. Doch als sie seinen letzten Atem hört, will auch sie nicht wahrhaben, dass die gemeinsame Zeit zu Ende ist. Im Abspann des letzten Kapitels erfährt der Leser wie ihr Leben weiter, ohne den geliebten Mann verlaufen ist. Ihr Rückblick, sieben Jahre später, verfasst im persönlichen Brief an ihn, macht deutlich, dass sie ihren Weg gemeistert hat.

Bücher über das Sterben und die Trauer berühren, fesseln aber selten durch ihre schnelle und lebhafte Geschichte. Hier ist es anders. Die Erzählung hat das Tempo einer Reportage und ist mit vielen Ereignissen, bildhaften Berichten und Dialogen gespickt. Daran ist die Handschrift einer Journalistin und Filmautorin deutlich spürbar, was dem Buch seinen besonderen, vorteilhaften Charakter verleiht.

Der Titel des Buches besticht durch seine klare und deutliche Aussage, trifft aber meines Erachtens nicht wirklich das Wesentlichste auf den Punkt. Er klingt ein wenig nach einem Leitfaden, wie man mit der Trauer wieder fertig wird. Der Leser bekommt aber keinen belehrbaren Leitfaden, sondern eine spannende, herzenswarme und lebensnahe Geschichte über eine starke Frau, die diese Erzählung gelebt hat. Vielleicht hätte ein emotionaler Titel mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mein Urteil lautet in jedem Fall: besonders lesenswert!

Maria Köllner
Neuer Lebensmut in der Begegnung mit dem Tod
Via Nova. Mai 2007. 188 Seiten
Format 20,6 x 14 x 1,8 cm
€ [D] 14,95
ISBN-10: 3866160593
ISBN-13: 978-3866160590

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