Michael Baur & Steve Baur: Die Beatles und die Philosophie

Die Beatles und die Philosophie von Michael Baur & Steve Baur

Die Beatles und die Philosophie von Michael Baur & Steve Baur

Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten

Musikgeschichte haben sie schon geschrieben – die Fab Four. Sie revolutionierten in den 1960er Jahren die Musikwelt und stehen für den Beginn der Popmusik. Nach ihnen kamen Viele, doch die Beatles sind nach wie vor in aller Munde und unvergessen. Dass aus ihren Texten viel zu lesen ist, dass wussten schon die Fans damals. Dass es aber auch eine sehr philosophische Betrachtungsweise gibt, zeigen uns die Autoren Michael Baur und Steve Baur sowie 15 weitere Kollegen.

„Die Beatles und die Philosophie“ lautet der Titel des Buches, indem die Songtexte der vier Pilzköpfe in den Kontext mit Schriften von Hegel, Marx, Nietzsche, Kant und anderen großen Philosophen gestellt werden. Songs wie „She loves you“, „Help“, „Nowhere Men“ und Alben wie „Sgt.Pepper“ oder „Yellow Submarine“ werden akribisch unter die Lupe genommen und den Aussagen der großen Meisterphilosophen gegenüberstellt. So wird deutlich, dass Paul und John eine starke feminine Seite hatten, was sich auch in den Songtexten, die sich mit Liebe und Fürsorge beschäftigen, widerspiegelt. Weiterhin wird Liebe als großes Ganzes verstanden und ist nicht nur der Zweisamkeit vorbehalten. Die Sehnsucht nach Frieden ist zu spüren, revolutionäre Gedanken sind parat, gehen aber nicht bis zum Äußersten.

In den sieben Teilen, die das Buch behandelt, stellt sich immer wieder heraus, dass die Ansätze der Philosophie bei den Beatles durchaus vorhanden waren, aber letztendlich doch nicht zu Ende gedacht wurden (Warum auch, es waren ja schließlich Musiker und keine Philosophen). So wird im Kapitel, indem es um Marx und den Kapitalismus geht, deutlich, wie das in der Praxis aussah. Die Beatles erreichten in den frühen 1960er Jahren Kultstatus, sie gaben Konzerte, deren Ausmaße gigantisch waren und dementsprechend verkauften sich ihre Platten. Sie beugten sich dem Wunsch des Plattenlabel-Managements nach „anständiger“ Kleidung und schlüpften in Anzug und Krawatte. Doch ihre langen Haare behielten sie. Oder John Lennons Anspielungen in Liedtexten auf Revolution, bei denen der Satz mitschwingt, dass er doch nicht sicher ist.

Besonders die Experimente der Beatles mit psychedelischen Drogen und Selbsterfahrungstrips werden philosophisch näher betrachtet. Die Reisen nach Indien, Bewusstseinserweiterungen und Lebensvorstellungen sind Themen, die viele Parallelen zu den Gedanken der Existenzphilosophen an den Tag bringen. Gerissen waren sie allemal die Jungs aus Liverpool, denn schon damals suchten die Fans ihre Texte nach versteckten Botschaften ab. Rückwärtsgespielte Lieder, die irritierten oder die „Paul is dead“ Kampagne, sorgten für jede Menge Trubel.

Die Beatles selbst wollten sich nicht als Philosophen verstehen und konterten: “Ach man soll sich nicht soviel bei diesen Texten denken“. Und wer weiß, vielleicht hatten die vier ja viel Spaß, beim Verstecken der unendlich vielen Hinweise auf den angeblichen Tod von Paul Mc Cartney. Im Buch finden sich mehrere Seiten, in denen diese „Anzeichen“ aufgelistet sind. Jedenfalls und das ist unumstritten, haben die Beatles im Bezug auf die Jugendbewegung und die Popkultur viel erreicht. Und wer bis heute die Texte der Beatles eher nur als Beigabe zum Refrain gehört hat, der wird sie nach diesem Buch sicher genauer studieren.

Die Beatles und die Philosophie ist ein Buch, das im Nachhinein noch fesselt und auch eingefleischte Beatles Fans überraschen dürfte. Zwischen den philosophischen Zusammenhängen finden sich immer wieder interessante Anekdoten, die in die faszinierende Beatlesmania eintauchen und auch Dinge über die Fab Four verraten, die man bis dahin noch nicht kannte.

Würden wir die Beatles heute zu diesem Buch befragen, dann würden sie sicher sagen: „So ernst darf man das alles nicht nehmen.“ Denn sie waren ja doch Schelme. Das kleine Schlusskapitel ist dem „Paul ist tot“ Mythos gewidmet. Nachdem sich Ende der 1960er Jahre Gerüchte in die Welt gesetzt hatten, Paul Mc Cartney sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen und ein Double, der mit Hilfe der plastischen Chirurgie in Paul verwandelt wurde, hätte seinen Platz eingenommen, sollen die Beatles unzählige Hinweise auf Pauls Tod in ihren Covern und in Liedern, usw. versteckt haben. Aber nach der Lektüre dieses Buches kann man eher davon ausgehen, dass die Beatles das selbst inszeniert haben.

Lesetechnisch ist es oft schwierig, den sehr wissenschaftlichen Redewendungen zu folgen. Es wäre wünschenswert gewesen, den fesselnden Stoff in eine allgemeinverständlichere Sprache zu packen. Stattdessen muss sich der Leser streckenweise durch ein Labyrinth von sehr spezifischer Philosophensprache bewegen und ist erleichtert, wenn er bei einer netten Erinnerung von den Beatles ankommt, die zum normalen Sprachgebrauch zurückfindet. Alles in allem aber: Ein Buch, das nachhaltig ist und die Beatles noch einmal aufleben lässt, wenn auch aus einer etwas anderen Perspektive.

Michael Baur und Steve Baur
Die Beatles und die Philosophie
Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten
2010 319 Seiten
€ 19,90
ISBN-10 3608504028
ISBN-13 9783608504026

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