Thomas P.: Der Racheengel

Der Racheengel von Thomas P.

Der Racheengel von Thomas P.

Kugelsichere Westen sind eigentlich nicht für achtjährige Mädchen gemacht. Dennoch hat sie eine, sie kann sie selbst anziehen, sie weiß wo im Haus die Waffen versteckt sind und sie weiß wo sie sich im Ernstfall verstecken kann.

Kein Leben für ein Kind, dennoch muss sie es führen, denn sie hat sich für einen Vater entschieden. Für ein Leben in ständiger Angst, auf der Flucht vor bösen Menschen die ein Kopfgeld von 500.000 Euro auf ihren Vater ausgesetzt haben.

Aufgewachsen ist Thomas P. in Ostfriesland mit Alkoholikern als Eltern, die Mutter eine Prostituierte. Schon im Kleinkindalter ist er völlig alleine, versorgt sich praktisch selbst, wenn er nicht in einer der Kneipen rumhängt und für die Gäste das Maskottchen spielt. Dennoch schafft er irgendwie die Schule und geht so schnell er kann zum Bund. Immer auf der Suche nach der Familie die er nie hatte und vor allem weg von seiner eigenen Familie.

Endlich fühlt er sich zuhause, hat jemand der sich um ihn kümmert, auch wenn es in Befehlsform ist. Wenn es nur so einfach gewesen wäre. Dummerweise übertreibt er es ein wenig als Ausbilder und so ist seine Bundeswehrzeit nach vier Jahren schon wieder zu Ende.

Nun wird er Türsteher, das passt noch am ehesten zu seinen Interessen. Er lernt sich sinnvoll zu verteidigen, zuerst zu schlagen und dann zu fragen, aber dennoch immer den Anschein der „Notwehr“ zu erwecken. Irgendwann geht er dann wieder zum Bund, warum auch immer sie ihn wieder genommen haben.

Lang geht das natürlich nicht gut und nach diversen Dienstvergehen und einer Anklage wegen Zuhälterei ist die Bundeswehrzeit nun endgültig vorbei.

Jetzt beginnt seine Karriere als Biker, mit dem Motorrad war er immer schon gern unterwegs und er sucht schließlich immer noch eine Familie. Erst heuert er bei einem bestehenden Chapter des Gremium MC an, dann gründet er ein eigenes Chapter. Da ihm die neuen Kumpane aber recht schnell zu „schwul“ werden und er die erhoffte Gemeinschaft wieder nicht findet, beschließt er zu den Hells Angels zu wechseln. Jenem legendären Club, dessen Mythen und Legenden sich um Brüderlichkeit und Zusammenhalt ranken.

Jetzt nimmt das Schicksal endgültig seinen Lauf. Immer noch verzweifelt auf der Suche nach Geborgenheit schafft er den Einstieg bei den Angles, nur um recht bald herauszufinden, das er wieder auf dem Holzweg ist. Er steigt aus, aber er hat schon zu viel auf dem Kerbholz und so kriegt ihn die Polizei zu fassen.

Seine Verhaftung im April 2008 ist das endgültige Ende und zugleich ein Neubeginn mit ungewissem Ausgang.

Auch dieses Buch macht, wie die meisten solcher Berichte, einen Strich durch die Rechnungen all der Menschen, die glauben hinter solchen Organisationen stünde irgendetwas mit Ehre und Zusammenhalt.

Den Beschreibungen des Autors nach, geht es bei den Angels nicht besser zu als in jedem Mafiaclan. Gewalt, Drogen, Unterdrückung und nicht die Spur von Zusammenhalt, das ist es was er findet.

Beurteilen kann ich das freilich nicht, aber besonders einladend hört sich das alles jedenfalls nicht an. Und falls einer von den Angels das hier liest: Ich gebe hier nur den Inhalt des Buches weiter, nicht meine Meinung. Denn ich habe in diesem Fall keine und will auch keine haben.

Thomas P.
Der Racheengel
Riva, 2010, 208 Seiten
Format: 21,4 x 15,2 x 2,2 cm
€ 19,95
ISBN-10: 3868830901
ISBN-13: 978-3868830903

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