Dein Gehirn – das fehlende Handbuch
Das Buch “dein Gehirn – das fehlende Handbuch” gehört in die Reihe “the missing manuals” aus dem O’Reilly Verlag. Matthew MacDonald beschreibt im vorliegenden Handbuch den aktuellen Stand der neurowissenschaftlichen Forschung. Daraus leitet er immer wieder Tipps, Tricks und Anleitungen für den täglichen Umgang mit dem Gehirn ab.MacDonald deckt mit dem Buch viele der Bereich ab, über die man sich informieren möchte oder zu denen man sich Fragen ausdenken kann. Am Anfang steht der Aufbau des Gehirns um eine einheitliche Basis zu haben, auf der man aufbaut. Ausgehend von dieser Basis werden Kapitel um Kapitel die einzelnen Funktionen und Aufgaben und die dazugehörende Gehirnregeion vorgestellt.
Der interessierte Leser erfährt, dass das Gehirn für die Forschung in drei Schichten untergliedert wird: die Großhirnrinde, das limbische System, welches aufgrund seiner Funktionen gesondert erforscht wird und als dritte Schicht das Kleinhirn und der Hirnstamm. Anschließend widmet man sich den Neuronen, Gliazellen und Neurotransmittern im Nervensystem. Eine Einführung in die Entwicklung des Gehirns erklärt was in einem Embryo vorgeht und warum Teenager nicht immer selbst Schuld sind, wenn alles schief geht.
Gleichzeitig zeigt der Autor deutlich, dass man nach der Pupertät stetig Nervenzellen verliert. Gleichzeitig gibt er Tipps wie man trotzdem effektiv mit dem verbleibenden Gehirn umgeht, zum Beispiel immer wieder Neues ausprobieren. Diese Tipps leitet er aus Studienergebnissen und Beobachtungen in Studien ab.
Auf den Lebenslauf eines Gehirns folgen Kapitel zur Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn und der Bedeutung dieses Netzes. Das Verständnis für die menschlichen Spielregeln im Zusammenleben und die ungeschriebenen Gesetze der Gruppe finden gleichfalls ihren Platz im Buch und werden wissenschaftlich begründet. Ein Praxisbericht zeigt, was mit einem Menschen passiert, bei dem diese Gehirnregion nicht mehr funktionsfähig ist.
Wie entstehen Emotionen? Wie ernährt man sein Gehirn richtig? Auch auf diese Fragen finden sich ebenfalls Antworten. Zum Beispiel sollte man dem Gehirn viele komplexe Kohlehydrate füttern. Zusätzlich sollte man viele Omega-3-Fette essen und die Menge des Essens beschränken. Wer sich für den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau interessiert, der erfährt woher das kommt und welche Folgen Geschlechtsumwandlungen nach sich ziehen können.
Mit der Set-Point-Theorie stellt MacDonald ganz praktisch vor, warum Diäten so häufig wenig erfolgreich sind. Die Set-Point-Theorie wird beim Thema Glück wiederverwendet. Glücklich-Sein ist ein kurzfristiger Zustand und selbst an das größte Glück gewöhnt man sich irgendwann. Sobald man sich an etwas gewöhnt hat, macht es nicht mehr glücklich im bekannten Sinne. Die beste Lösung ist es, laut Autor, das Glücklich-Sein umzudefinieren.
Zum Schluss des Buches finden sich Tipps für Diskussionen mit denen man die logischen Lücken des Gehirns ausnutzt um zu Gespräche für sich zu entscheiden. Das diese greifen hängt mit der Amygdala zusammen und der historischen Entwicklung des Gehirns. Im Buch wird angegeben, dass das Gehirn vor 200.000 Jahren den vorerst letzten Entwicklungsschritt machte. Darum handelt man heute sehr wahrscheinlich noch so wie zu dieser Zeit.
Außerdem finden sich Tipps, wie man erfolgreich Beziehungen pflegt und Antworten warum der Mensch so erfolgreich dabei ist, den eigenen Seelenpartner zu finden. In allen Bereichen hängt es vom Gehirn ab, was man tut. Denn im letzten Beispiel sorgt das Gehirn mit vielen Kniffen dafür, dass der Partner, hat man sich einmal für ihn entschieden, zum Traumpartner wird.
Das Buch ist sorgfältig aufgebaut was den Inhalt und das Layout betrifft. Der Text ist schwarz und die Überschriften sind in blau gehalten. Die farbigen Grafiken illustrieren die vorgestellten Gehirnbereiche und verdeutlichen wo sich die einzelnen, besprochenen Areale befinden. Über das gesamte Buch verteilt finden sich blaue Kästen. Die Kästen liefern zusätzliche Informationen oder Praxistipps. Teilweise sind sie als “Mitternachtsgedanken” überschrieben und enthalten Fragen, die zum Nachdenken anregen oder die explizite Meinung des Autors wiedergeben.
Zusätzlich finden sich übersichtliche Tabellen im Textfluss, die man als Checklisten nutzen kann. Zum Beispiel als Vorlage für eine gehirngerechte Ernährung, oder zum Einschätzen der eigenen Persönlichkeit. Nicht existent sind Quellenangaben. MacDonald erklärt diese Tatsache zu Beginn des Buches damit, dass die Entwicklung in den Neurowissenschaften dermaßen schnell ist, dass Quellenangaben wenig hilfreich sind. Vielmehr setzt er darauf Spekulationen und Ideen von Beweisen und Fakten durch eine explizite Wortwahl zu unterscheiden. Diese Unterscheidung fällt beim Lesen kaum auf, sie wird jedoch durchgängig beibehalten.
“Dein Gehirn – das fehlende Handbuch”, kann Laien sehr empfohlen werden. Alle Fachbegriffe werden eingeführt und erklärt. Zusätzlich werden sie sparsam und sinnvoll eingesetzt. Insgesamt lässt sich das Buch sehr gut lesen. Für tiefer Interessierte fehlen Buchempfehlungen zum weiterführenden Lesen aufgrund der einführenden Entscheidung des Autors. Dabei wären diese hilfreich, da immer wieder offen darauf hingewiesen wird, was sich der aktuellen Forschung noch entzieht und unbekannt ist.

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Matthew MacDonald
Dein Gehirn – das fehlende Handbuch
O’Reilly, 2008 (1. Auflage). 288 Seiten
Format 22,6 x 15,2 x 1,8 cm
€ [D] 19,90
ISBN-10: 389721878X
ISBN-13: 978-3897218789

