A star is born. Photography and Rock since Elvis

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Eigentlich ist das Buch begleitend zur gleichnamigen Ausstellung des Folkwang Museums im Jahr 2010 entstanden. Es ist aber darüber hinaus eine Dokumentation über die Rockmusik und die Fotografie, bei denen Heroes lebendig werden, echtes Konzertfeeling aufkommt und auch das Medium Fotografie in einen wichtigen Kontext gestellt wird.

Angefangen bei Elvis bis hin zu den Stars des 21. Jahrhunderts, die heute auch, mal so nebenbei, auf Internet-Plattformen, wie Youtube, geboren werden. Dazu braucht man dann nur noch sich selbst und Einfallsreichtum und schon kann man die ganze Welt erobern.

In diesem herrlichen Bildband sind sie alle vertreten, die Großen, unter den Rockpionieren: Elvis Presley, Chuck Berry, The Beatles, The Rolling Stones, David Bowie, Nina Hagen, Iggy Pop, Marilyn Manson, Red Hot Chilli Peppers, Nirvana, U2, Coldplay, Franz Fedinand, uvm. Dabei vereint der Band eine Auswahl an Fotografien, die, so verschieden sie auch sind, sich dennoch manchmal verblüffend gleichen. Warum das so ist, bleibt das Geheimnis der Fotografen und Künstler.

So sehen wir die kreischende und jubelnde Elvis- und Beatles-Fanschar, deren Emotionen auf den Fotos herüberschwappen, als befände man sich selbst in der Arena des Geschehens. Der Fanstatus ist dabei für die Fotografie, im Bereich der Musikkultur, seit jeher von enorm großer Bedeutung. Fankult braucht auch etwas zum „Schwärmen“. Der Star an der Wand, den wir als Vorbild sehen, der zum Mittelpunkt unsere Träume wird und der uns in eine andere Welt entführt, muss plastisch von einem Poster, einem Cover oder aber einer Fotografie strahlen, damit wir ihm zum „Anfassen“ nah sind.

Neben den Posen der Stars, gekonnt inszeniert in Studios, sieht der Betrachter auch Momentaufnahmen, in denen jede Menge Bewegung steckt. Wenn Jerry Lee Lewis seinen Kopf wild schüttelt oder Mick Jagger auf der Bühne abrockt, dann hat das nichts mehr mit Inszenierung zu tun. Aber es gibt auch Aufnahmen, die an Kunst erinnern. Dabei hat jeder Musiker, jede Band der Rockgeschichte auch einen eigenen Stil, der immer wieder deutlich wird. Exzentrisch, rebellisch, immer die eigene Authentizität, die wir auch schon aus der Musik der Künstler kennen. Der schillernde David Bowie, Iggy Pop mit freiem Oberkörper, dessen Sehnen sich lockig kringeln und die Adern hervorquellen. Marilyn Manson als Kunstwerk der Dunkelheit, Jimmy Hendrix, immer am lächeln und gekonnt easy oder aber auch Janis Joplin, deren melancholisch fordernde Augen Bände sprechen.

Aber auch „Kuriositäten“, die man nicht alle Tage sieht, finden sich in diesem Buch. Die Stones als Dragqueens oder mit der Königin von England zwischen den Zähnen, ein lonesome Elvis, der eine Bahnhofshalle mutterseelenallein durchquert, nachdem er kurz zuvor noch mit nassen Händen auf der Zugtoilette posiert hat. Eine alte 70er Jahre Kultaufnahme von Jim Rakete mit Nina Hagen ist ebenso zu finden, wie Frank Zappas herrlich kuriose Inszenierungen mit Kind und Kegel und in Frauenkleidern. Daneben finden sich immer wieder Bilder, die sich täuschend ähnlich sind, obwohl Jahrzehnte zwischen ihnen liegen und es sich nicht um denselben Fotografen handelt. Daran wird deutlich: Auch Rockstars haben ihre Vorbilder.

Das Stars sich auch selbst fotografisch oder filmisch in Szene setzen können, wird an den neuen Möglichkeiten des Internets ersichtlich. Justin Bieber wurde, dank Youtube, zu einem Star. Auch die Fotos und Clips, der so genannten Amateurfotografen werden in diesem Buch berücksichtigt.

Viele Fotografen waren hier am Werk und haben die Zeit der Legenden auf ihre Art und Weise belegt. Dabei hielten sie Momente für die Ewigkeit fest, von denen wir auch heute noch zehren. Namen, wie Ron Galella, Annie Leibovitz, Mark Seliger, Richard Avedon, Daniel Kramer, Mick Rock, Jerry Schatzberg u.a. verdanken wir, dass Erinnerungen gewahrt werden und die Rockgeschichte nicht nur musikalisch, sondern auch fotografisch dokumentiert ist und wird.

Ein großartiger Bildband, der schmunzeln lässt und anregt, Vergleiche zu ziehen, von Elvis bis zu Franz Ferdinand. Eine Zeitreise durch Fankult, durch die Sprache der Rockmusik. Jeder Künstler, jede Band präsentiert sich einzigartig, es gibt keinen Abklatsch, wenn dann nur eine Ähnlichkeit des Fotos an sich, was aber keinesfalls eine Kopie darstellt. Damit wird aber auch deutlich, dass Vorbildern eine große Rolle zuteil kommt und manchmal auch die Konkurrenz Dinge tut, die sich einem nur vage erschließen.

Denn wer die Beatles-Fotos mit den populären Anzügen sieht, der fragt sich, warum die Stones das später wiederholen mussten, auch in Anzügen, nur eben mit provokanten Streifen darauf. So geben sie uns immer wieder Rätsel auf, ob gewollt oder ungewollt, das sei dahingestellt. Der Text ist komplett in englischer Sprache verfasst, beschränkt sich aber auf einleitende Worte, eine Auflistung der Fotografen und Musiker der Rockgeschichte und gibt in kurzen, prägnanten Beiträgen wichtige Infos zu den Fotografen und Facts, wie zum Beispiel über das Musikmagazin The Rolling Stone.
ISBN-10: 3869301929, ISBN-13: 9783869301921
Ute Eskildsen und Christiane Kuhlmann: A star is born. Photography and Rock since Elvis
Steidl, Edition Folkwang, 2010, 335 Seiten, Format: 28,6 x 22,8 x 3,2 cm
ISBN-10: 3869301929, ISBN-13: 9783869301921

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