50 Klassiker Mythen

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Statt Märchenstunde gibt es nun die Mythenstunde. Viele Mythen aus der griechischen Antike begleiten uns auch heute immer noch im Sprachgebrauch. Welche Geschichte dahinter steckt, wissen aber nur die Wenigsten. Die Sisyphusarbeit, die Achillesferse, die gruselige Medusa oder das becircende Weib und die schöne Helena, immer wieder begegnen uns die mythischen Begriffe. Eine große Rolle spielen die Mythen auch in der Kunst. Maler, Theater-Regisseure oder Musiker fühlten sich in ihren Bann gezogen und erschufen unvergessene Stücke.

Was sind Mythen? Mythen sind Erzählungen, es sind weder Sagen, noch Märchen, es sind Geschichten, die einen wahrheitsgetreuen Kern enthalten und im Laufe der Zeit von einem zum anderen gewandert sind. So wurde etwas hinzugedichtet oder weggelassen, vielleicht entwickelte sich die Geschichte auch neu. Aber eine Kernaussage gibt es allemal.

Um die großen Götter, wie Zeus, Aphrodite, Dionysos, um den schönen Adonis, den mutigen Herakles oder um viele mythische Frauengestalten geht es in diesem Buch. Dabei sind die Geschichten, aus denen die Mythen entstanden sind, spannend, gruselig, abenteuerlich und zauberhaft. Immer mit einer Essenz, aus der wir auch heute noch viele, altbewährte Weisheiten ableiten. So zum Beispiel die Sisyphusarbeit – eine Arbeit, die unendlich und mühsam ist und die wir zuweilen als Strafe ansehen. Und genau das war sie auch einst in der Antike. Denn sie war eine „Strafarbeit“ für den durchtriebenen Sisyphus, der sich wie ein Dieb unter Dieben auf geschickte Art bereicherte und seine Gegenspieler gekonnt überlistete. Zur Strafe für seine Untaten durfte er dann einen riesigen Felsbrocken auf einen Berg rollen und immer, wenn er fast am Ziel war, rollte der Brocken wieder den Berg hinunter und Sisyphus durfte von vorne beginnen.

Auch hinter der Dämonengestalt Medusa verbirgt sich eine Geschichte, die den Leser in den Bann zieht. Das Motiv, das gerne für Tattoos und Underground-Kultur steht, hat eine sehr unglückliche Geschichte. Einst eine schöne junge Frau, zog die Medusa den Zorn der Göttin Athene auf sich und wurde von ihr bestraft. Ihr Aussehen wandelte sich in das, einer Dämonenfigur, mit Schlangen als Haare. Jeder, der die Medusa erblickte, erstarrte zu Stein. Ein tapferer, junger Mann, namens Perseus, sterblicher Sohn des Zeus, entschloss sich, die Medusa zu enthaupten, was ihm auch gelang. Fortan wurde das Haupt der Medusa eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen die Gegner, die zuletzt auch der Göttin Athene diente.

Diese und viele weitere, schaurige, schöne, fantastische und erotische Geschichten gibt es im Reich der Götter. Auch mit unseligen Bräuchen, wie zum Beispiel dem Aufessen der eigenen Kinder, das die Götter zelebrierten, wird der Leser hier vertraut. Ergänzend wird zu jedem Mythos auch die Bedeutung in der Literatur, der bildenden Kunst und der Musik erklärt. Viele Abbildungen geben den Geschichten noch mehr Leben und Authentizität. Dabei finden sich etliche Motive aus der Kunst, die dem Leser bekannt vorkommen. Im Kontext mit dem Lesestoff ergeben sie aber einen neuen, bisher noch unbekannten Sinn.

Der Autor Gerold Dommermuth-Gudrich hat sehr gut recherchiert und belegt für alle Interessierten auch die Mythen in Kunst und Kultur. Die zahlreichen Bilder unterstreichen das Buch hervorragend. Was sich anfangs, wie ein Geschichtsbuch aus der Schule ansieht, wird bei der Lektüre zu einem Märchen- oder besser gesagt, Mythenbuch für Erwachsene, das es versteht, den Leser in den Bann zu ziehen, mit den vielen Gottheiten, der Unterwelt, der Schönheit, der Bosheit und der Weisheit. Ein Buch, das Nachschlagewerk und Unterhaltung zugleich ist und viel Raum für eigene Fantasien lässt.
ISBN-10: 3836925125, ISBN-13: 9783836925129
Gerold Dommermuth-Gudrich: 50 Klassiker Mythen
Gerstenberg, 2010, 312 Seiten, Format: 23,0 x 16,4 x 2,7 cm
ISBN-10: 3836925125, ISBN-13: 9783836925129

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