MODE. 150 Jahre – Couturiers, Designer, Marken
Mode begleitet uns durch das Leben, sie ist täglich präsent, fast schon unmerklich richten wir uns alle nach ihr, mehr oder weniger. Bücher über Mode gibt es viele, manche beschäftigen sich mit Stilen, andere mit Designern oder aber beleuchten unterschiedliche Aspekte dieser Thematik. Ein Buch, das sowohl die Zeitgeschichte, die Modegeschichte als auch die Designer, in einer Zeitspanne von 150 Jahren präsentiert, hat Charlotte Seeling nun vorgelegt.Für Fashionvictims, Modebegeisterte, It-Girls, Modemacher und Historiker ist dieser Band eine berauschende Retrospektive. Auf 512 Seiten und in 12 Kapiteln wird hier die Modegeschichte in den Kontext zur Weltgeschichte gestellt. Weiterhin werden die wichtigsten, bekanntesten und einflussreichsten Designer in ausführlichen, mehrseitigen Kapiteln vorgestellt, nichts wurde ausgelassen. Dazu gibt es die „Meisterstücke“ der Haute Couture in Hochglanz und durchgehend vierfarbig. Eine Quelle der Inspiration tut sich auf und das Buch entführt in die unerschöpfliche Modewelt.
Die großen Stars der Haute Couture, wie Chanel, Karl Lagerfeld, Dolce & Gabbana, Versace, Joop und etliche mehr, sind allgegenwärtig. Doch wie fing alles an? Damals hießen die Designer noch Couturiers und die Haute Couture wollte erst noch geboren werden. Der Engländer Charles Frederick Worth gilt als Begründer dieser faszinierenden Modewelt, denn er hat seinen Entwürfen im Jahre 1860 erstmals einen persönlichen Stempel aufgedrückt: das eigene, unverwechselbare Signet: ein, mit der eigenen Unterschrift besticktes, Stoffetikett.
Die Zeitreise der Mode beginnt in der Belle Epoque. Frauen bewegten sich langsam aber sicher weg von der Krinolinenmode, hin zu einem neuen Körpergefühl. Worth, der sogar für Kaiserin Sissi entwarf, nahm wenig weg vom Putz und dem Glanz der Zeit, dafür aber minimierte er das Volumen und ließ Frauen wieder aufatmen. Raus aus den Korsetts und den unendlichen Lagen von Röcken. Dennoch war es die Zeit der Seide, Spitze, Raffungen, Rüschen, Schleifen und Applikationen. Hüte und Handschuhe durften nicht fehlen. Die Mode bewegte sich im wahrsten Sinne des Wortes.
Freiheit für den Körper und den Geist wurde nach und nach zur Wirklichkeit. Was heute Jean-Paul Gaultier ist, das war Anfang des 20. Jahrhunderts Paul Poiret, eine Erscheinung, wie aus einer Fantasiewelt entsprungen, mit großem Faible für Kunst, Prunk und Extravaganz. Er designte nicht nur Kleidung, auch prachtvolle Ausstattungen für Interieurs und Accessoires wurden von ihm maßgeschneidert. Kostüme, angelehnt an die schillernden Farben des Orients, mit viel Glanz und Gloria, bestimmten seinen Stil.
Die Mode entwickelte sich in Richtung Empiretaille, weich fließende Kleider und auch die ersten Hosen waren zu sehen. Eine Revolution kündigte sich an. Frauen kämpften für das Wahlrecht, die Bauhaus-Ära hatte begonnen, Jazz und Art-Déco bestimmten das Bild, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Uniformmode war angesagt. Die goldenen „Zwanziger“ mit Charleston und Zigarettenspitze brachten es dann auf den Punkt: die neue Frau war geboren, die weg vom heimischen Herd wollte und auch beruflich Männerdomänen zu erobern versuchte.
Die Emanzipation kam ins Rollen. Das spiegelte sich eindrucksvoll in der Mode, mit androgynen Erscheinungen, Hosenanzügen, wenig Weiblichem auf der einen Seite und totaler Freizügigkeit auf der anderen Seite, wieder. Mit kniekurzem, dünnem Kleidchen stand das „Flapper-Girl“ für die freizügige, eigenständige und lebenslustige Frau, die keinen Mann mehr an ihrer Seite brauchte, um zufrieden zu sein.
Eine Frau, die, der von männlichen Couturiers dominierten, Haute Couture Paroli bot, war Coco Chanel, die das „Kleine Schwarze“ weltberühmt machte. Sie nahm sich ihre Inspirationen aus den Kleiderschränken der Männer und entwarf daraus die „ladylike“ Mode mit den unverwechselbaren Chanel-Kostümen.
Nach dem zweiten Weltkrieg hatte auch die Mode wenig Anlass zu spektakulären Ereignissen. Das änderte sich durch eine Frau, die mit ihren Kreationen das Ruder herumriss: Elsa Schiaparelli. Surrealistisch und schockierend damals – heute Kult. Ketten aus Aspirintabletten oder Hühnerfedern sorgten für Aufsehen. Der Aufschwung der Wirtschaftwunderjahre brachte dann auch einen der größten Designer der Modegeschichte zum Vorschein: Christian Dior.
Der „Newlook“ und das Verlangen der Frau, nach Geborgenheit, Sicherheit und einer heilen Familie, bescherten der Welt den unverwechselbaren Stil der 50er Jahre. Amerikanische Vorbilder, wie Grace Kelly, inspirierten die Mode. Kosmetik wurde populär und die Hausfrau ging nicht mehr ungeschminkt zum Mülleimer. Die Mode war spielerisch, betont weiblich und zuckersüß. Doch zwei Filmhelden, James Dean und Marlon Brando, kündigten modisch schon die „Children of the Revolution“ an.
Die Swingung Sixties sind zum Inbegriff für Jugendkult und rebellische Twens geworden. Minikleider, grafische Designs und viel Psychedelic konnten dieses Gefühl wunderbar wiedergeben. Yves St. Laurent gehört zu den Top-Designern dieser Zeit. Flower Power löste die Kunst-Stoff-Ära ab und es ging „back to the roots“. Mit Vivienne Westwood begann das Zeitalter des Punks und der Mode von der Straße. Das Mixen von Stilen und Stoffen kam in Mode und der „Glamrock“ ließ die Disco zum Laufsteg werden.
Die 1980er Jahre waren politisch und gesellschaftlich eine Zeit des Umbruchs, was sich auch in der Mode sehr deutlich zeigt. Jeder entwickelte nun seinen eigenen Stil, erlaubt war, was gefiel. Daneben kristallisierte sich die Businessfrau heraus, mit maßgeschneiderten Kostümen. Aber auch Streetwear wurde zum Begriff. Die Supermodels schossen in den Modehimmel und wurden zu Stars. Während sich neue Designer einen Namen machten, begannen geschickte Nachahmer die Haute Couture für die Massenware zu stilisieren. Modeketten ließen sogar namhafte Designer Sonderkollektionen entwerfen, die reißenden Absatz fanden. Mode für alle. Die moderne Welt mit Internet und Blogs bietet eine große Spielwiese für kreative Köpfe.
Ein Feuerwerk für das Auge und ein brillant geschriebener Band, im Superformat 33,5 x 26,3 x 5,5 cm, der Zeit- und Modegeschichte ausführlich und mit vielen Details rekonstruiert – Hier ist der Autorin ein wirkliches Meisterwerk gelungen. Nie wurde man so ausführlich mit den Lebensläufen und den Gedanken der Spitzen-Designer dieser Welt vertraut gemacht. Die Abbildungen bringen zum Staunen, Inspirieren und offenbaren viel mehr, als sonst in den Hochglanzmagazinen zu sehen ist. Das Buch hat wirklich das Zeug zum Standardwerk, jedoch zeigt es in erster Linie die Mode im Bezug zur Frau. Ein bisschen mehr zum Thema Männermode wäre nicht schlecht gewesen, um dieses Buch zu einem vollkommenen Werk seiner Art werden zu lassen. Denn auch die modische Rolle der Männer hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder aufs Neue revolutioniert.
Charlotte Seeling
MODE. 150 Jahre – Couturiers, Designer, Marken
h.f. ullmann publishing, 2010, 512 Seiten, ca. 1000 Abbildungen
Format: 33,5 x 26,3 x 5,5 cm, Gewicht 4290 g
€ 49,99
ISBN-10: 3833155876
ISBN-13: 9783833155871

