François Lelord – Im Durcheinanderland der Liebe

Im Durcheinanderland der Liebe von François Lelord

Im Durcheinanderland der Liebe von François Lelord

Ein Mann, der Fabeln von Fontaine zitiert, stark ist, die Frauen beschützt, mitten im Leben steht und weiß, wo sein Platz ist. Wir Frauen – wenn wir mal ehrlich sind – träumen doch alle von so einem Mann. Die Pariser Frauen anscheinend auch, denn Ulik, dem Inuk aus dem hohen Norden, der alle die genannten Attribute in sich vereint, liegen sie alle zu Füßen, ob sie wollen oder nicht.

Aber von vorne. Ulik vom Stamm der Inuit kommt als Botschafter seines Stammes nach Paris und zwar auf Einladung der Erdölgesellschaft, die im Gebiet der Inuit nach Öl bohrt. Natürlich steckt hinter dieser Einladung nicht die nette Geste eines großen Konzerns, sondern knallhartes Kalkül. Mit dieser Einladung soll demonstriert werden, wie gut der Konzern es mit den Inuit meint und wie groß das Umweltengagement der Firma ist.

Ulik hingegen verfolgt ganz andere Ziele mit dieser Reise. Als Waisenkind, das noch dazu jeden Tag die Wetterstation der großen Kablunak – so nennen die Inuit die Männer und Frauen aus dem Ausland – besucht, hat er es in der Gesellschaft der Inuit sehr schwer. Er ist keiner Gruppe von Jägern mehr zugehörig und darf die Frau, die er über alles liebt und die ihm schon seit Kindertagen versprochen ist, nicht heiraten. Wenn er von dieser Reise als Botschafter seines Landes zurückkehrt, werden alle wieder vor ihm Respekt haben und er kann endlich Navaranava heiraten. So jedenfalls erhofft es sich Ulik.

Von Paris ist Ulik zunächst sehr beeindruckt, er saugt alle Eindrücke in sich auf, er fragt und interessiert sich für alles, nur mit der Einsamkeit kommt er nicht zurecht, der Einsamkeit seines Hotelzimmers. Denn bei den Inuit ist man niemals allein. Deshalb quartiert ihn Marie-Alix, die für die „Organisation aller Länder“ arbeitet und ihn betreut, kurzerhand bei sich ein. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen den beiden. Marie-Alix ist ist geschieden, lebt mit ihren Kindern Juliette und Thomas alleine und hat keine Mann, was Ulik nicht so ganz versteht.

Ulik wird zu Empfängen eingeladen, gibt Interviews im Fernsehen und in einer Frauenzeitschrift und wird schließlich auch noch Darsteller in einem Werbespot für die Erdölgesellschaft. Er beeindruckt dabei immer mit seiner Offenheit, Schlichtheit, ja seiner Naivität und bringt viele Dinge auf den Punkt, auch wenn seine Gesprächspartner das nicht immer so hören wollen. Er erzählt von der Rolle der Frau bei den Inuit – womit die Pariserinnen überhaupt nicht klar kommen –, darüber, dass bei den Inuit alles seinen Platz und seine Ordnung hat, wohingegen in Paris alles durcheinander und kompliziert scheint. In Paris bleiben die Frauen allein (undenkbar bei den Inuit), jeder hat seine Spezialisierung (bei den Inuit ist jeder Mann Jäger) und Männer müssen Frauen in Paris nicht mehr beschützen. Er wird ein bisschen zum Philosophen und beleuchtet die Beziehungen zwischen Mann und Frau bei den Kablunak.

Dabei erliegt er selbst immer mehr den Verführungen der vielen Frauen in Paris. Und er merkt, dass die Rückkehr in sein eigenes Land ihm immer schwerer fällt, je länger er in Paris weilt. Als er schließlich nach Hause kommt, ist im Land der Inuit nichts mehr so wie es war, als er gegangen war. Der Fortschritt hat auch vor seinem Dorf nicht Halt gemacht. Aber Ulik wäre nicht Ulik, wenn er auch hier nicht einfach tun würde, was zu tun ist.

„Im Durcheinanderland der Liebe“ ist „eine kleine Geschichte über die große Kunst zu lieben“ (so auf der Rückseite des Bucheinbands). Das Buch zeigt ein Abbild der westlichen Gesellschaft in Sachen Liebe. Die komplizierten Beziehungen der Kablunak werden den einfachen Beziehungen der Inuit gegenübergestellt. Und man ertappt sich dabei, wie man sich beim Lesen die Einfachheit der Liebe zurückwünscht, einen Zustand, wo alles und jeder seinen Platz hat. „Im Durcheinanderland der Liebe“ ist ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt und vor allem so fesselt, dass man mit Lesen nicht mehr aufhören kann.

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François Lelord
Im Durcheinanderland der Liebe
2011. 256 Seiten
Format: 19 x 11,8 x 2,4 cm
€ [D] 8,95
ISBN-10: 3492254845
ISBN-13: 978-3492254847

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