Rosen und Reben. Gärten in der Antike

Rosen und Reben. Gärten in der Antike von Marion Giebel

Rosen und Reben. Gärten in der Antike von Marion Giebel

Der Garten – eine Ruheoase, ein kleines Paradies, eine Leidenschaft und ein großes Hobby – ob Nutz- oder Ziergarten, was wäre der Mensch ohne dieses fantastische, grüne Reich. Das war schon immer so, auch in der Antike, als Götter noch das Weltbild beherrschten und große Philosophen und Feldherren durch die Lande zogen. Der Garten in all seinen Facetten hat auch die mächtigen Männer ihrer Zeit immer wieder fasziniert, inspiriert und beeindruckt.

So gibt Marion Giebel in ihrem Buch „Rosen und Reben“ einen kurzweiligen und interessanten Rückblick auf die Gärten in der Antike. Von den mythischen Gärten, die in fabelhaften Sagen zur Sprache kommen, über persische Paradiese und heilige Heine bis zu den Rüben und Rosen im alten Rom bleibt nichts aus.

Schon die Helden der griechischen Sagenwelt, wie Herkules oder Hermes, machten sich den Zauber und die Früchte der Gärten zu Nutze. Sie fanden auf ihren abenteuerlichen Reisen immer wieder wunderschöne Fleckchen mit herrlichen Bäumen und Pflanzen. Gemüsebeete und Weinberge, dazu frische Quellen tauchen in den mitunter berührenden Geschichten aus der Antike auf. So kehrt Odysseus nach einem langen und beschwerlichen Kampf zu seinem alten Vater zurück, der noch immer mit Eifer seinen Garten hegt und pflegt. Der Vater erkennt ihn zuerst nicht, doch durch eine kleine, gemeinsame Erinnerung aus Kindertagen, die sich im Gartenreich abspielte, finden die Beiden wieder zusammen.

Die persischen Paradiese muten an, wie aus einem Märchen. Schon die Prinzen bebauten das Land, pflanzten Blumen, Gemüse und Bäume, wie die bevorzugte Platane, und waren sich nicht zu schade, sich mit der Gartenarbeit die Hände schmutzig zu machen. Der Garten als Weltkulturerbe wird mit den „Hängenden Gärten der Semiramis“ in Babylon beschrieben, die in ihrer Anlage wohl einzigartig gewesen sein müssen. In der biblischen Königsstadt waren sie Bestandteil des Palastes von Nebukadnezar II. und das schon in der Zeitrechnung vor Christus. Der Palast ähnelte einer Treppe, auf deren Stufen fantastische Gartenlandschaften angelegt wurden.

Der „Heilige Hain“ bezeichnet im antiken Griechenland einen Ort, der einer Gottheit geweiht wurde und der sich in einer schattigen Lichtung, ähnlich einem Wald, mit einer Quelle, einem Teich oder Bachlauf, befand. Bäume und Rosen sorgten für eine besondere Atmosphäre, Brunnen, auch Nymphäen genannt, spendeten heilendes Wasser. Schon früh, zu Zeiten von Alexander dem Großen, wurde die private Schule in diese Haine verlegt und dieser Brauch verbreitete sich schnell. Später erkannten auch die großen Philosophen, wie Platon oder Sokrates, wie erquickend ein solcher Ort für tiefsinnige Gespräche ist. Viele Dichter und Denker erkoren die Heiligen Haine zu ihren Lieblingsplätzen.

Ölbaum, Lorbeer, Myrthe und Rosen sowie der Wein beflügelten die griechischen Sinne und heute noch stehen diese Pflanzen für große Traditionen. Lorbeer krönt den Sieger, die Myrthe wird im Hochzeitsbrauchtum verwendet, Rosen betören durch Duft, Anmut und Schönheit. Und der Wein – nun ja, was wären wir ohne dieses gute Tröpfchen?

Die römischen Gärten wurden zunächst als Nutzgärten angelegt. Große Feldherren erwarben Landstücke und pflanzten dort Rüben, Kohl, Salat sowie verwertbare Blumen und Kräuter an. Zum einen dienten diese Gärten als ausgleichender Pol zu den anstrengenden Geschäften und politischen Ämtern, zum anderen waren sie eine zusätzliche Einnahmequelle, denn die Ernte brachte auf dem Markt ein schönes Zubrot ein. Nur zum Ansehen wurde hier nichts angepflanzt. Dafür gab es die Prachtgärten und Parks, die zuweilen zu erbitterten Kämpfen aus Neid führten.

So finden sich die ersten Schriften zum Gartenbau, mit vielen nützlichen Tipps, die auch heute noch anzuwenden sind, schon in der frühen römischen Geschichte. Die Römer legten Teiche an, züchteten Fische, widmeten sich mit Enthusiasmus dem Weinbau und bescherten uns kulinarische Genüsse – Lukullus sei Dank. Die Römer ließen im wahrsten Sinne des Wortes Wein und Honig fließen und holten sich exotische Tiere, wie den Pfau, in den Garten.

Aber auch die Villa in der Stadt benötigte einen Hauch von Garten. Wände, mit Blattwerk tapeziert oder das Freiluftspeisezimmer, das Sommer Triklinium, zeugen von der Bedeutung des Gartens in Rom. Schiffe wurden zu schwimmenden Blumenlandschaften umfunktioniert und wer es besonders festlich liebte, der tafelte in einem Wasser-Triklinium. Die Römer kombinierten ihre Vorstellungen mit den Beispielen aus der griechischen Gartenkultur und heraus kamen so bedeutende Kunstwerke, wie „Kaiser Hadrians Villa“.

Die Römer wussten zu feiern, nicht fehlen durfte hier die Rose. Mit ihr wurden meterlange Girlanden, wunderschöne Kränze und Schmuck für die große Tafel oder den festlichen Raum angefertigt. Auch Lilien und Myrthen kamen, je nach Anlass, zum Einsatz.

Das Buch ist eine wunderbare Reise in die antike Gartenwelt. Der Vorstellungskraft sind keine Grenzen gesetzt. Die Fantasie wird beflügelt vom landwirtschaftlichen Garten, mit all seinen Genüssen, die Lust auf feine Gerichte aus dem eigenen Bauerngarten machen. Die Beschreibungen von den Schatten spendenden Hainen, an denen es sich prima denken und träumen lässt, verlockt nach draußen zu gehen und ein solches Plätzchen zu finden. Blumen und Pflanzen mit altem Namen regen dazu an, sich doch auch ein kleines Beet mit diesen Kostbarkeiten anzulegen.

Alles in Allem ist das Buch eine Bereicherung für alle Gartenfreunde, aber auch für den Nicht-Gartenbesitzer eine Quelle der Inspiration. Garten ist eben nicht gleich Garten. Jeder kann sich hier verwirklichen, wie ihm beliebt. Dazu ist alles leicht verständlich und sehr unterhaltsam geschrieben.

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Marion Giebel
Rosen und Reben. Gärten in der Antike
Primus Verlag, 2011, 128 Seiten
Format: 12 x 19 cm
€ 19,90
ISBN-10: 3896787373
ISBN-13: 9783896787378

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Ein Kommentar auf "Rosen und Reben. Gärten in der Antike"

  1. Der schön aufgemachte Band mit vielen Fotos ist nicht nur wegen seines ansprechenden Äußeren ein ideales Geschenk! Wie immer in ihren Büchern, versteht es Marion Giebel, die Antike ganz nah ans Heute zu rücken, staunen-machende Bezüge zum Jetzt herzustellen. Man erfährt auf unterhaltsame Weise unglaublich viel – und der Wissensgewinn kommt auf so leisen Sohlen, dass man gar nicht merkt: man hat sich beim Lesen “fortgebildet”!

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