Olen Steinhauer: Last Exit

Last Exit von Olen Steinhauer

Last Exit von Olen Steinhauer

Ächzend hob er Henry Gray auf und hielt ihn wie ein Bräutigam, der die Braut über die Schwelle trägt. Ohne Zögern – um jeden Fehler und das Auftauchen von Passanten auszuschließen, die an der prächtigen Fassade hinaufstarren mochten – kippte er den schlaffen Körper über die Brüstung.

Währenddessen sitzt Milo Weaver noch im Knast, aber das ist immer noch besser als tot unter der Erde zu liegen. Denn sein letzter Auftrag hätte ihn fast das Leben gekostet, so ein Job als Tourist ist halt nicht ganz ungefährlich. Zumal die Definition von “Tourist” innerhalb der CIA eine ganz andere ist, als im echten Leben.

Die ganze verworrene Geschichte hat ihn nur darin bestärkt, endlich aus dem mörderischen Geschäft auszusteigen, aber so leicht kommt man der CIA nicht davon und so lässt er sich doch wieder rekrutieren, freilich nicht ohne damit auch eigene Ziele zu verfolgen.

Aber die stehen erst einmal hinten an, denn seine Arbeitgeber vertrauen ihm nicht mehr so wie früher und er muss eine ganze Reihe von kleineren Aufträgen erledigen, Tests wie er vermutet.

Aber als er eine offensichtlich wahllos ausgewählte 15jährige ermorden soll, stößt er an seine Grenzen. Das packt er nicht und so schmiedet er einen Plan, ihr Leben zu retten.

Der allerdings misslingt gründlich und plötzlich ist Milo wieder das gehetzte Tier, das er schon früher war. Niemandem kann er vertrauen und schon gar nicht mehr seinen eigenen Leuten, das wird ihm schnell klar. Denn in seiner Abteilung sitzt offenbar ein Maulwurf und zwar ein chinesischer.

Was ihm nicht so schnell klar wird ist, wer sein eigentlicher Feind ist und warum?

Als es ihm klar wird, kann er seine Bewunderung für einen derart minimalistischen aber doch effektiven Plan kaum verbergen – obwohl sein Gegenspieler die komplette Abteilung Tourismus lahmgelegt hatt und das obwohl es den vermeintlichen Maulwurf gar nicht gibt.

Oder etwa doch? War das alles nur Teil eines noch größeren Plans? Milo findet es heraus, aber zu spät. Viel zu spät …

Die Fortsetzung des Thrillers “Der Tourist” ist mindestens so gelungen wie sein Vorgänger. Wieder schafft es der Autor, das aus Film und Fernsehen bekannte heldenhafte Agentenleben mit dem morbiden Charakter von Milo Weaver zu kombinieren und so eine zutiefst menschliche Seite in das ganze Verfolgen und Morden hineinzubringen. Kaum ein Agent dürfte weiter vom glamourösen Leben eines James Bond entfernt existieren als er.

Wer den ersten Teil mag, wird diesen lieben. Wer ihn nicht kennt, kommt trotzdem schnell mit der Geschichte zurecht. Absolut lesenswert!

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Olen Steinhauer
Last Exit
Heyne Verlag, 2011, 544 Seiten
ISBN-10: 3453267028
ISBN-13: 978-3453267022

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