50 Tage lebenslänglich

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Ein grauenvoller Raum. Acht Betten plus eines für Intensivfälle. Schlafende, röchelnde, hässliche, stinkende Männer. Dauerlicht, das auch nicht gelöscht wird, als es später draußen Nacht wird. Das ist der Zeitpunkt, als Herr V. langsam realisiert: Ich bin drin.

Das ist auch kein Wunder, lange schon ist sein Leben kaputt, die Frau weg, die Kinder weg. Dafür jede Menge Alkohol bis es nicht mehr geht und er auf die Balkonbrüstung steigt. Er traut sich aber nicht zu springen und ruft einen guten Freund an. Der holt den Notarzt und der die Polizei. Und schon wird er eingewiesen, in die geschlossene Anstalt in Haar nähe München.

Dort bleibt er erst mal eingesperrt und hat, als ihm langsam dämmert wo er ist und warum, viel Zeit zum Nachdenken aber auch zum Zuhören. Und das tut er, seine Abteilungsgenossen haben schließlich alle so einiges durchgemacht, kommen in oft desolatem Zustand an, wissen nicht wo sie sind und wie sie herkommen. Bis es ihnen klar wird. 5,6 Promille sind da schon mal im Spiel, harte Drogen, exzessive Gewalt oder alles zusammen.

Er trifft Menschen die der Meinung sind hier nicht her zu gehören aber auch welche die sich komplett aufgegeben haben oder regelmäßig wieder kommen weil sie draußen nicht klar kommen.

Er hört ihnen allen zu, dem einst berühmten Filmemacher, dessen Kopf und Leben nun leer ist. Leer genug um im Wald hinter Haar ein einsames Ende zu finden. Dem erfolgreichen Geschäftsmann, der sich unvermutet von einer Frau ruiniert sah. Dem Heimkind, das nie eine echte Chance hatte und auch keine bekommen wird, der wohlbehüteten Tochter die dennoch (oder gerade deswegen) drogensüchtig wurde.

Er hört allen zu und gibt ihre Geschichten wieder. Traurige, fröhliche, welche mit und ganz viele ohne Hoffnung. Ähnlich wie seine eigene Geschichte, aber aus der hat er wenigstens dieses Buch gemacht. Also doch Hoffnung?

Irgendwie ist das Buch deprimierend, denn wer in der Geschlossenen landet, der ist ein Verlierer. Klar rappeln sich mache doch wieder hoch, aber die meisten bleiben Verlierer. Selten bietet jemand einen so umfassenden Einblick in das persönliche Versagen, wie es der Autor hier tut. Wenn denn auch alles wahr ist, was er schreibt … aber realistisch ist es auf alle Fälle.
ISBN-10: 3868822372, ISBN-13: 9783868822373
Detlef Vetten: 50 Tage lebenslänglich
mvg Verlag, 2011, 256 Seiten, Format: 22 x 14 x 3 cm
ISBN-10: 3868822372, ISBN-13: 9783868822373

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