Bei den Brunettis zu Gast
Wer die Bücher von Donna Leon um Commissario Brunetti kennt, weiß, dass Guido Brunetti gerne und hervorragend speist. Das Essen nimmt in diesen Kriminalromanen einen großen Stellenwert ein, eben so wie das Essen in Italien allgemein einen großen Stellenwert besitzt- Dabei spielt es keine Rolle, ob Brunetti zu Hause von seiner Frau Paola bekocht wird oder in einer Bar oder einem Ristorante speist, diese Passagen rund ums Essen lassen jedem Leser – und noch viel mehr denen, die Italien und die italienische Küche lieben – das Wasser im Mund zusammenlaufen.Donna Leon schreibt im Vorwort zu diesem Buch, dass sie nie auf Idee gekommen wäre, ein Brunetti-Kochbuch zu schreiben, „denn die Mahlzeiten waren wie von allein in die Bücher geraten“. Die Anfragen zu einem Kochbuch kamen von Lesern und zwar von den nicht-italienischen. Die italienischen Leser nehmen Brunettis Mahlzeiten als etwas Selbstverständliches hin.
Sei es, wie es will. Wie dieses Buch nun zustande gekommen ist, ist – glaube ich – jedem egal, der es in Händen hält. Dieses Buch ist nicht nur ein Kochbuch, sondern ein literarisches Kleinod. Ich liebe es. Und das rührt wahrscheinlich auch daher, dass ich die italienische Küche liebe und bisher alle neunzehn Fälle des Commissario Brunetti verschlungen habe.
Roberta Pianaro, Donna Leons langjährige Freundin, hat die Rezepte zu diesem Buch bzw. zu allen Brunetti-Romanen beigesteuert. Es sind immerhin 91 in diesem Kochbuch, garniert mit Geschichten aus Venedig und Auszügen aus sechszehn Brunetti-Romanen, passend eingefügt zum jeweiligen Gericht. So erfährt man mehr über die Strada Nuova, Venedigs ehemalige kulinarische Meile, die immer mehr zu Souvenirstraße verkommt, die Kochkünste von Donna Leons Mutter, Sant’ Erasmo, die Insel, die einst fast ganz Venedig mit Obst und Gemüse versorgt hat und darüber wie alte Frauen es mit List, Tücke und einer Portion Respekt schaffen, lange Einkaufsschlangen zu umgehen.
Die Rezepte sind sehr einfach gehalten und beschrieben, entbehren aber nicht kulinarischer Raffinesse. Sie sind unterteilt in Vorspeisen, Erster Gang, Gemüse, Fisch, Fleisch und Nachspeisen. Die umfangreichste Rubrik ist der Erste Gang. 30 Rezepte findet man da, davon allein 16 Pasta-Rezepte. Spaghetti mit Oliven und Mozzarella finden sich neben Spaghetti mit Venusmuscheln und Risotto mit Stangensellerie und Lauch. Eine kleine Aufzählung soll einen Einblick in die Rezeptvielfalt aller Rubriken geben: Zucchini mit Ricottafüllung, Sahneüberbackene Kartoffeln, Seeteufel in Tomatensauce, Sepien in schwarzer Sauce, Garnelen in Ei-Limetten-Sauce, Hähnchenbrust in Artischocken, Kalbsrouladen mit Schinken-Artischocken-Füllung, Rinderhack mit Peperoni, Zwiebeln und Karotten, Überbackene Äpfel mit Vanillecreme, Ricottakuchen, Kirschen im Teigmantel. Wem läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen?
Die Rezepte sind einfach nachzukochen und gelingen. Ich habe einiges ausprobiert und alles ist gelungen (und ich gehöre nicht zu den Topköchen). Allerdings ist es gerade beim Fisch etwas schwierig mit den Zutaten. Meeräsche, Sepien und Kalmare mag man ja vielleicht in Venedig an jeder Ecke bekommen, bei uns ist das schon etwas schwieriger.
Das etwas andere Kochbuch hat ein für ein Kochbuch untypisches Format (Taschenbuchformat) und wartet nicht mit Fotos zu den Gerichten auf, sondern mit Vignetten von Tatjana Hauptmann, die so einfach gehalten sind wie die Rezepte. Und noch ein Hinweis: Das Buch ist nichts für Schlankheitsfanatiker, hier wird mit Olivenöl nicht gespart. Aber es ist absolut empfehlenswert für Genießer und Italienfans. Buon Appetito!
Donna Leon und Roberta Pianaro
Bei den Brunettis zu Gast
Diogenes, 2009, 287 Seiten
Format: 18,8 x 12,4 x 2,3 cm
€ [D] 22,90
ISBN-10: 3257067283
ISBN-13: 978-3257067286


