Der Händler des Todes

Der Händler des Todes von Douglas Farah und Stephen Braun

Der Händler des Todes von Douglas Farah und Stephen Braun

“Wir hatten Glück, dass es ein russisches Flugzeug war”, bemerkte Mobutus Sohn Nsanga später. “Eine Boeing wäre explodiert”

Dennoch waren die Flugzeuge mit denen Victor Bout arbeitete alles andere als robust. Fliegende Särge waren es, aber sie waren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion billig zu haben und verschwanden zu Hunderten von den ehemaligen Militärstützpunkten.

Bouts Crew reparierte sie, oft nachdem sie längst aus dem Register der Zivilflugzeuge gestrichen wurden. Die Maschinen existierten danach offiziell nicht mehr, in Afrika interessierte das aber keinen, Papiere waren leicht zu fälschen und kontrolliert wurde so gut wie gar nicht.

Er belieferte in seiner Karriere als “Spediteur” zunächst Afrika und dort jeden, der Waffen brauchte. Von “offiziellen” Regierungen bin zu Rebellen. Oftmals beschaffte er Waffen für beide Kriegsparteien, was denen auch bewusst gewesen sein muss.

Gestört hat es niemanden, denn Bout war zuverlässig und eine Alternative gab es oft nicht. Die Regierungen Europas, Amerikas und Russlands interessierten sich ebenso wenig für Bout als für die Länder die er belieferte. Selbst dann nicht, als er begann das Taliban-Regime mit schweren Waffen, Flugzeugen und Ersatzteilen zu versorgen.

Es war auch nicht leicht an ihn heranzukommen, sein Imperium bestand aus Dutzenden von Unternehmen mit Sitz in Drittweltländern. Die Flugzeuge waren oft weit entfernt von ihren Flugrouten registriert, wenn sie überhaupt irgendwo registriert waren.

Dabei arbeitete er nicht zwingend Illegal, oft versorgte er auch legitime Regierungen mit Waffen oder er flog zivile Güter. Auch Hilfslieferungen für die UNO waren dabei – und auf dem Rückflug wieder Waffen für die Verursacher genau der humanitären Katastrophen die diese Hilfslieferungen überhaupt erst notwendig machten.

Nachdem er halb Afrika als Kunde gewonnen hatte, wandte er sich sogar nach Südamerika und belieferte unter Anderem die FARC, jene Rebellen in Kolumbien die zu dieser Zeit schon längst vom großangelegten Drogenhandel lebten.

Lange hat es gedauert, biss man diesen Mann dingfest machen konnte. Nicht weil er so gut war oder sich so geschickt zu verbergen vermochte. Sondern weil seitens der Großmächte dieser Erde schlicht kein Interesse bestand, ihm das Handwerk zu legen.

Immerhin belieferte er sogar die Amerikaner während des Golfkrieges und bekam sogar den Treibstoff geschenkt – und niemand wollte dagegen vorgehen, denn Bouts Flotte war eine der wenigen zivilen Unternehmen, deren Piloten mit den chaotischen Verhältnissen in Bagdad zurecht kamen. Wen kümmerte es da schon, dass er jahrelang Massenmorde ermöglicht hatte, seine Maschinen ein Sicherheitsrisiko darstellten und er Al-Qaida belieferte?

Letzten Endes schaffte man es aber doch ihm eine Fall zu stellen und ihn in Bangkok zu verhaften. Er wurde an die USA ausgeliefert und sein Prozess soll im Oktober 2011 beginnen. Mal sehen wie er sich dieses Mal aus der Affäre zieht …

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Douglas Farah und Stephen Braun
Der Händler des Todes
Riva, 2011, 304 Seiten
Format 21,4 x 15,4 x 2,4 cm
ISBN-10: 3868831606
ISBN-13: 978-3868831603

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