Barrierefreiheit verstehen und umsetzen
Behindert ist nicht nur wer blind oder taub ist, sondern auch jeder Smartphone-Benutzer. Diese Erkenntnis kann jeder aus der Lektüre des Buches “Barrierefreiheit verstehen und umsetzen” von Jan Eric Hellbusch und Kerstin Probiesch ziehen. Denn auf einem Smartphone können die wenigsten Internetangebote sinnvoll genutzt werden, wenn nicht eine extra Smartphone Version angegeben wird.Gerüstet mit dieser Erkenntnis erscheint Barrierefreiheit nicht mehr als lästige Aufgabe für eine vermeintlich unbedeutende Randgruppe. Vielmehr wirkt Barrierefreiheit als Aspekt in jede Entscheidung mit, die für einen Webauftritt getroffen wird. Zumindest wollen die Autoren dieses Ziel erreichen und gleichzeitig das Werkzeug für diese Entscheidungen bereit stellen.
Zu diesem Zweck unterteilt sich das Buch in fünf Teile. Zur Zielgruppe gehören neben Entwicklern von Webseiten auch Designer die das Aussehen entwerfen und Projektmanager, da Barrierefreiheit ganze Workflows verändern kann.
In Teil Eins nähern sich die Autoren an das Thema Barrierefreiheit an. Hier wird der aktuelle Stand aufgezeigt. Es wird auf die Argumente für und wider Barrierefreiheit im Webdesign eingegangen. Die Utopie eines 100% barrierefreien Webauftritts wird zerstört. Gleichzeitig zeigen die Autoren warum dieses Ziel trotzdem anzustreben sinnvoll ist. Es wird auf die Aspekte der Barrierefreiheit eingegangen, die nicht nur Text und Layout, sondern auch PDFs, Bilder, Flash, Videos, Farbwahl und vieles mehr betreffen.
Teil Zwei des Buches experimentiert mit den verschiedenen Techniken wie CSS und HTML. Es werden Lösungen für immer wiederkehrenden Probleme beim Webdesign diskutiert und es wird gezeigt welche WCAG (Web Content Accessibility Guidelines; Richtlinien für barrierefreies Webdesign) damit erfüllt werden. Dazu stehen Quellcodebeispiele zur Verfügung. Daran anschließend liegt der Schwerpunkt in Teil Drei auf den Inhalten der Webseiten. Hier wird auf einfache Sprache ebenso eingegangen wie auf das Problem barrierefreie PDFs anzubieten.
Im Vierten Teil des Buches führt Teil Zwei fort und beschreibt die Technik im Hintergrund. Es wird zum Beispiel auf Formulare, dynamische Inhalte, oder die Möglichkeit einen Webauftritt per Tastatur zu bedienen eingegangen. Weg von der Technik im Hintergrund, hin zum Vordergrund geht es in Teil Fünf des Buches. Da verschiedene Endgeräte, wie zum Beispiel ein Smartphone, unterschiedliche Beschränkungen aufweisen, werden Fragen zur flexiblen Darstellung gestellt. Ebenso werden Farbenblindheit oder die mehrfache Auszeichnung von Inhalten thematisiert.
Im Anhang findet sich unter anderem die gesamte WCAG Richtlinie abgedruckt. Das ausführliche Quellenverzeichnis, bietet einen guten Ausgangspunkt für vertiefende Einblicke. Hier sind fast durchgängig Onlinequellen aufgeführt.
Im Ergebnis ist “Barrierefreiheit verstehen und umsetzen” ein Nachschlagewerk. Zu einer sehr großen Anzahl von Fragen zur Barrierefreiheit kann jeder Beteiligte eines Webprojektes Antworten in diesem Buch finden. Für alle, die sich bislang noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt haben, ist dieses Buch ebenfalls empfehlenswert. Sie sollten den ersten Teil einmal durchlesen der einen guten Überblick über die Thematik und die Probleme bietet.
Blickt der Leser über den Tellerrand hinaus, so wird er feststellen, dass die Informationen in Teil fünf generell für jede Art von Benutzeroberfläche in der Informatik hilfreich ist.
Jan Eric Hellbusch und Kerstin Probiesch
Barrierefreiheit verstehen und umsetzen: Webstandards für ein zugängliches und nutzbares Internet
dpunkt Verlag, 2011, 812 Seiten
24,2 x 17,2 x 5 cm
ISBN-10: 3898645207
ISBN-13: 978-3898645201


