Reden straffen statt Zuhörer strafen

Reden straffen statt Zuhörer strafen von Katja Kerschgens

Reden straffen statt Zuhörer strafen von Katja Kerschgens

Es war an einem späten Nachmittag auf der Frankfurter Buchmesse. Ich schlenderte durch die Hallen, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Plötzlich hörte ich eine klare und deutliche Stimme, die von der Bühne um die Ecke kam. Ich ging hin und blieb neugierig stehen. Die nächsten 20 Minuten verflogen wie ein Augenblick. Es war ein Vortrag von Katja Kerschgens.

Katja Kerschgens gehört für mich ohne Zweifel zu den besten unter allen „Speakers“ der Trainer-Branche. Sie bietet seit 2001 Trainings in Rhetorik und Schlagfertigkeit an. Ihre Besonderheit ist ihre freche und unterhaltsame Art, mit denen sie kurzweilige aber äußerst inhaltsreiche Reden ihrem Publikum bietet.

Ihr Vortrag auf der Buchmesse bezog sich auf das Buch „Reden straffen statt Zuhörer strafen“, das im Gabal-Verlag erschienen ist. In dem straffen Ratgeber geht es um „Operation Zwille“, mit der jeder langweilige Vortrag zur spannenden Geschichte werden kann. Sie wissen nicht, was mit Zwille gemeint ist? Ich stand anfangs auch auf dem berühmten Schlauch.

Frau Kerschgens klärt uns schnell auf: „Die kleine Version der Zwille kennen Sie vielleicht noch aus der Schule: Da wurde ein Stück Papier zu einem Krampen zusammengerollt oder geknickt und dann mit einem Gummiband dem Streber in der ersten Reihe in den Nacken geschossen.“ Das gefiel mir auf Anhieb. Aber sollte ich künftig auf meine Zuhörer schießen?

Ja, aber nicht wörtlich, sondern verbal und das ganz ohne Verletzungsgefahr. Die Zwille als Rednerwaffe wird mit interessantem Inhalt als Schussmaterial bestückt, mit dem Gummiband Spannung erzeugt und gezielt geschossen. Das überzeugt, garantiert.

In mehreren, wohldosierten Kapiteln lernen wir, was eine Rede wirklich interessant macht, wie Floskeln und leere Hülsen vermieden werden, und dass Straffen keinesfalls kürzen bedeutet. Mit der Zwille wird eine Rede nicht unbedingt kürzer aber mit Sicherheit kurzweiliger. In den Köpfen der Zuhörer entstehen Bilder, die einfach zu begreifen sind. „Stellen Sie sich vor…“ schaltet das Kopfkino ein. Und das Kino im Gehirn wirkt tausendmal spannender als die ausgeklügeltste Power-Point-Präsentation.

Straffe reden benutzen gesprochene Sprache statt Schriftsprache. Eine rede beginnt nicht, wenn der Redner zu sprechen beginnt, sondern dann, wenn der Zuhörer zuzuhören anfängt. Deshalb legt ein straffer Redner sofort los, ohne lange Einleitungen und sein Schlussakkord wirkt wie Paukenschlag.

Beim Lesen des Buches musste ich oft schmunzeln und das nicht nur aufgrund der spritzigen Ausdrucksweise der Autorin, sondern auch durch die witzigen Zeichnungen von Timo Wuerz. Seine Zwille wirkt äußerst menschlich und die Ideen-Glühbirne trägt viel Sympathie in sich.

Alles in allem ein rundes, sehr gelungenes Paket mit straffem Inhalt, das ich jedem, der ab und zu vor einem Publikum sprechen darf, wärmstens empfehle.

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Katja Kerschgens
Reden straffen statt Zuhörer strafen
Gabal Verlag, 2011, 144 Seiten
Format: 21,3 x 15 x 1,5 cm
ISBN-10: 3869361875
ISBN-13: 978-3869361871

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