Das junge Kairo

Das junge Kairo von Nagib Machfus

Das junge Kairo von Nagib Machfus

“Freudig rieb er sich die Hände, dachte wohlwollend an seine Vergangenheit, schaute erwartungsvoll in die Zukunft und warf das Gefühl der Minderwertigkeit ab. Doch vom ersten Augenblick an begriff er, dass seine Philosophie geheim bleiben müsse.”

So weit scheint das Leben für den Studenten Machgub recht einfach zu sein. Seine schwierige Kindheit auf den Straßen Kairos hat er hinter sich gelassen, ebenso das Gefühl nichts Wert zu sein. Nun ist er Student und mit seiner selbst zusammengebastelten Philosophie kann ihm eigentlich gar nichts mehr passieren.

In ein paar Monaten hat er seinen Abschluss und wird mit Sicherheit einen guten Job finden. Die blauäugigen Gedanken sind dann aber schnell vorüber, sein Vater wird krank und kann ihn noch weniger unterstützen als ohnehin schon. Machgub nagt am Hungertuch und schafft es mit Mühe, sich bis zum Abschlussexamen durchzuschlagen.

Danach wird es nicht leichter, denn, wie er alsbald schmerzlich erfährt, in Ägypten bekommt nur der eine Stelle, der Beziehungen hat. Egal wie gut die Noten auch sind, ohne die richtigen Bekannten hat man keine Chance.

Ohne Beziehungen oder genug Geld um sich welche zu kaufen, ist er in Ägypten ein Nichts. Da nutzt ihm seine ganze Philosophie nichts, so schäbig sie auch sein möge. Oder etwa doch?

Wie aus dem Nichts bietet sich ihm eine Chance, die in ihrer Verwerflichkeit sogar seine Philosophie auf den Prüfstand stellt. Aber er nimmt sie an, was bleibt ihm auch anderes übrig. Ein hoher Beamter hat sich an einer jungen Frau vergangen, sie damit entehrt. Um das wieder gut zu machen, braucht sie nun schnellstens einen Ehemann und das soll Machgub sein, denn der Herr Beamte ist dummerweise schon verheiratet.

Er hat seine Braut noch nie gesehen und der Beamte lässt ihm zu verstehen geben, dass er dennoch weiterhin auf sein Besuchsrecht besteht. Machgub wird nicht viel mehr sein als eine Marionette, allerdings eine mit Gehaltsstufe sechs, dem Rang eines Sektretärs.

Der Ehevertrag wird schnell unterzeichnet, er bezieht eine schicke Wohnung im Europäerviertel, dort sind die Nachbarn nicht so neugierig und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Alles läuft gut, bis er seine zukünftige Braut kennenlernt. Wobei kennenlernen nicht der richtige Begriff ist, denn er kennt sie schon. Die Ereignisse überschlagen sich und er muss voller Verzweiflung dabei zusehen, wie zuerst seine mühsam aufgebaute Philosophie zerbröckelt und danach das was er sein Leben nennt. Übrig bleibt … Nichts.

Obwohl die Geschichte kurz vor dem zweiten Weltkrieg spielt, spiegelt sie doch nicht nur den Wandel und die Zerrissenheit der damaligen ägyptischen Gesellschaft wieder, sondern die der Gesellschaft an sich. Das Buch regt zum Denken an, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Nagib Machfus
Das junge Kairo
Unionsverlag, 2011, 320 Seiten
Format 21 x 12,8 x 2,2 cm
ISBN-10: 3293004326
ISBN-13: 978-3293004320

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