Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani

Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy von Adaobi Tricia Nwaubani

“Das Fleisch sah mich an und lachte. Ich hätte sein Lachen erwidert, doch leider war die Situation alles andere als komisch. Meine Mutter war keine Novizin in der Küche”

Aber das ungenießbare Essen war nicht sein Hauptproblem, Kingsley hatte noch eine ganze Menge mehr davon. Probleme, nicht Essen.

Und das, obwohl sein Leben doch so gut begonnen hatte. Vater und Mutter sind beide Ingenieure, haben lange in Großbritannien gelebt und sind dann nach Afrika zurückgekehrt. Zuerst lebten sie in der Heimat nicht schlecht, der Vater wurde Beamter im Energieministerium und die Mutter kaufte eine Schneiderei.

Dummerweise wurde der Vater krank, die Inflation fraß sein Gehalt immer weiter auf und die Schneiderei alleine brachte auch nicht die große Kohle. So fristeten sie ihr Dasein zwar in relativer Armut, Kingsley konnte aber Chemie studieren, auch wenn sie dafür so manches Mal hungern mussten. Einen Job findet er aber trotzdem nicht, denn für den bräuchte er die richtigen Beziehungen.

Nur ein Mitglied von Kingsleys großer Familie hat keine Geldsorgen, sein Onkel Boniface Mbamalu, oder Cash Daddy, wie er genannt wird. Er hat nicht nur keine Geldsorgen, er ist sogar unermesslich reich und hätte die ganze Familie versorgen können, ohne dass es seinem Kontostand geschadet hätte.

Aber Kingsleys Eltern wollen nichts von ihm wissen, er ist ein 419er. So werden in Nigeria all diejenigen genannt, die gegen Paragraph 419 verstoßen, dem Gesetz gegen Internetbetrug. Cash Daddy ist einer von denen, die uns Europäern diese dubiosen Emails senden, in denen wir von nicht angetretenen Millionenerbschaften, internationalen Lottogewinnen, tollen Investitionsmöglichkeiten und ähnlich lukrativen Dingen erfahren. Man muss nur hier ein paar tausend Euros überweisen und dort noch ein paar – bis man dann irgendwann merkt, dass man betrogen wurde …

Jedenfalls ist Onkel Cash Daddy nicht sehr beliebt in Kingsleys Familie, bis der Vater krank wird und man sich die Arztkosten nicht mehr leisten kann. Kingsley wird die Ehre zu Teil, seinen Onkel um Geld zu bitten. Dieser gibt ihm nicht nur reichlich davon, er engagiert ihn auch auf der Stelle und macht ihn erst zu seinem Angestellten und dann zu seinem Partner.

Die Geldsorgen der Familie sind damit vorbei, aber es ergeben sich ganz andere Probleme und schlimmere als Kingsley es sich jemals vorstellen konnte. Es kommt wie es kommen muss und so einiges geht schief. Nicht alle überstehen diese Zeit des schnellen Geldes und des Überflusses unbeschadet und Kingsley steht irgendwann vor einer endgültigen und folgenschweren Entscheidung.

Obwohl der Roman an manchen Stellen sehr nachdenklich stimmt, ist er doch im Grundtenor sehr amüsant. Gerade dann, wenn ausführlich die einfallsreichen Maschen nigerianischer Internetbetrüger vorgestellt werden, die im Gegensatz zur Geschichte an sich keinesfalls erfunden sind.

So mancher Europäer lässt sich selbst dann noch abzocken, wenn er den Betrug schon längst bemerkt hat und so mancher Europäer überweist wohl auch mehr als ein paar Tausend Euro – viel mehr.

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Adaobi Tricia Nwaubani
Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011, 500 Seiten
Format 21 x 13,6 x 4 cm
€ [D] 14,90
ISBN-10: 3423248610
ISBN-13: 978-3423248617

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