Bad Fucking, ein Ösi-Krimi-Eintopf
Man nehme eine Hand voll inzestgeschädigter Dorftrottel, geldgeiler Politiker, skrupelloser Finanzjongleure, mixe diese mit etwas organisiertem Verbrechen, Cheerleadern, Aalen und Hunde-Chop-Sue und schon geht die Post ab.Der Roman gleicht einer Collage, seine Handlung passt eher zu einen konfusem Roadmovie. Ein Cocktail an Klischees des Alpenraums, dass es irgendwo in Österreich angesiedelt ist sollte uns nicht täuschen. Sollte irgendwann die Anarchie im Bullen von Tölz ausbrechen und die komplette Bevölkerung unter dem Einfluss von Medikamenten-Missbrauch, LSD oder im „Dumm-Suff“ angekommen sein, dann ist der Nährboden für eine Handlung wie bei Bad Fucking, an jedem Ort der Erde bereitet.
Ein Buch unter einem solchen Titel zu veröffentlichen und zudem als Krimi zu titulieren ist vor Allem ein gewiefter Schachzug des Marketings und sollte einen geübten Leser misstrauisch machen. Da die Handlung zudem im Jetzt spielt und (zu) gerne auf Klischees zurückgreift ist es schon verwunderlich, dass in einem anglifizierten „Jetzt“ keiner der Protagonisten während des gesamten Buches ein einziges Wortspiel auf den Ortsnamen spricht.
Wenn ich es mir recht überlege dann liegt die Zukunft dieses Buches eher als Drehbuchvorlage. Zum Ende hin, immer schneller, chaotischer, sinnentleerter und einem Leichenfetisch hörig, entsteht der Eindruck, dass es selbst dem Autor zu viel wird und er zum Ende kommen möchte. Die im Buch lichten Momente, die witzigen Szenen und Charaktere verlieren sich in Konzeptschwächen und allzu vorhersehbaren Plots. Schade!
Kurt Palm
Bad Fucking
Residenz, 2011, 277 Seiten
Format: 21,1 x 13,5 x 2,8 cm
ISBN-10: 3701715343


