Ich weiss dass du lügst
Spätestens nachdem die Fernsehserie “Lie to me” so beliebt geworden ist, weiß man auch in Deutschland, dass man Gesichter lesen kann. Man kann einem Menschen ansehen, ob er lügt oder ob er die Wahrheit sagt.Das ist keine Erfindung fürs Fernsehen sondern funktioniert wirklich, Paul Ekman erforscht das schon seit 40 Jahren, nach ihm wurde auch die Serie entwickelt. Klar dass er sein Wissen auch in Buchform vermittelt und eines seiner Bücher liegt nun gerade vor.
Ekman hat die letzten 40 Jahre dazu genutzt wirklich jeden möglichen Gesichtsausdruck zu erforschen und zu entschlüsseln. Er fand 43 verschiedene Elemente des Ausdrucks, sieben Jahre später hatte er alle Kombinationen daraus erforscht. Daraus entstanden dann insgesamt 3000 Varianten, mit denen man arbeiten kann.
Wenn man es kann, denn der daraus hervorgegangene Katalog umfasst 500 Seiten die sicher nicht leicht zu lesen sind. Genutzt wird dieses Wissen übrigens nicht nur von der Polizei sondern auch von Trickfilmstudios. Shrek und Toy Story wurden z.B. mit Hilfe von Ekmans Forschungen erstellt.
Aber nun zum Buch. Zunächst beginnt der Autor mit einer kurzen Einführung wie er dazu kam, sich mit Lügen und ihren Merkmalen zu beschäftigen und er stellt auch klar, dass er das Lügen an sich nicht unbedingt verurteilt. Es kommt halt darauf an, um was es geht. Oft genug sind Wahrheiten viel zu grausam und Lügen werden geradezu erwartet.
Nun definiert er die verschiedenen Arten von Lügen und unterscheidet sie von den Unwahrheiten die nicht zwingend Lügen sein müssen. Er definiert quasi was als Lüge zu verstehen ist und was nicht. Was ja für den Rest des Buches nicht ganz unwesentlich ist.
Im nächsten Kapitel beschäftigt er sich mit den Gründen aus denen Lügen auffliegen und zwar mit denen die am Lügner selbst zu suchen sind und nicht auf äußere Umstände zurückzuführen sind. Lügner verraten sich leider nicht immer durch die gleichen Fehler, es gibt per se kein absolutes Merkmal, eine Lüge zu erkennen.
Aber es gibt Anzeichen und Hinweise, die einem helfen eine Lüge zu enttarnen. Es können dies die Worte des Lügners sein, seine Stimme aber auch durch das vegetative Nervensystem verursachte Hinweise wie sie auch Lügendetektoren aufzuspüren versuchen.
Wobei die Abweichungen von der Norm immer individuell beurteilt werden müssen, denn es kann schließlich auch das normale, dem Befrager unbekannte Verhalten der Zielperson sein. Womit der Autor auch schon bei den Gefahren solcher Beurteilungen angekommen ist, denn Fehlurteile sind immer möglich und müssen durch gute Strategien verhindert werden.
Gegen Fehlurteile ist auch der in den USA so berühmte Lügendetektor nicht gefeit und so beschäftigt sich der Autor auch mit ihm, obwohl er ihn selber eher nicht einsetzt und durchaus kritisch sieht.
Anschließend geht es um Lügenkontrolle und um Möglichkeiten seine Fähigkeiten der Lügenerkennung zu verbessern. Aber auch darum wie schwierig es ist, Lügen in der Praxis zu erkennen und wie man sich selbst realistisch einschätzen kann.
Stellenweise liest sich das Buch arg anstrengend, denn der Autor geht bei seinen Ausführungen sehr ins Detail. Das ist natürlich dann positiv zu bewerten, wenn der Leser tatsächlich lernen möchte wie er Lügen erkennt. Das Buch ist also nur für die Leser passend, die sich nicht nur mal informieren sondern auch tatsächlich etwas handfestes lernen möchten.
Paul Ekman
Ich weiss dass du lügst
rororo, 2011, 512 Seiten
Format 19 x 12,4 x 3 cm
ISBN-10: 3499627183
ISBN-13: 978-3499627187


