Völkerschau und Totentanz

Exotische Tiere in zoologischen Gärten kennen wir vermutlich alle. In mehr oder weniger fremdartig anmutenden Habitaten werden sie so gehalten, dass sie überleben und dem Besucher ein halbwegs natürliches Erscheinungsbild liefern.

Noch gar nicht so lange her ist die Zeit, in denen es nicht nur Tiere waren, die auf diese Art ausgestellt wurden. Denn im Jahre 1875 sah der Hamburger Unternehmer und Tierparkbetreiber Carl Hagenbeck eine neue Geschäftsidee.

Unter der Bezeichnung Völkerschau stellte er nun auch Menschen aus, unter anderem Inuit, Lappländer und später Afrikaner und Inder. Durch den gerade boomenden Kolonialismus und der allgemeingültigen Ansicht, dass die fremden Rassen ohnehin nahe am Tier zu sehen waren, war es auch nicht weiter schwierig, geeignete Objekte zu bekommen. Sie wurden einfach zusammen mit den Tieren geordert, gefangen und angeliefert.

Was dem heutigen Betrachter pervers vorkommen muss, war aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn von den Massenmedien völlig unbeachtet, begann in den Kolonialgebieten u dieser Zeit ein wahres Schlachten und Morden. Menschenversuche wurden hemmungslos durchgeführt, nicht zuletzt von Wissenschaftlern die später im Nationalsozialismus genauso ungehemmt weitermachten. Die Heutige gottgleiche auf Experimenten basierende Medizin wurde damit begründet.

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit genau diesem Thema in den Jahren von 1905 bis in die heutige Zeit. Von den Anfängen des deutschen Kolonialismus bis hin zu Gunther von Hagens umstrittenen „Körperwelten“, mit einem unvermeidlichen weil wichtigen Halt im Nationalsozialismus.

Es erkundet Zoologische Gärten, in denen Menschen bis in die 1930er Jahre zusammen mit exotischen Tieren ausgestellt wurden. Es zeigt die Machenschaften dubioser Ärzte auf und gleichzeitig die Parallelen zur heutigen Oligarchie aus Medizin und Wirtschaft, die ihre Versuche nur nicht mehr ganz so offensichtlich aber nicht weniger zahlreich durchführt.

Es geht damit nicht nur um eine Aufarbeitung historischer Ereignisse, sondern um ein kritisches Hinterfragen moderner Biopolitik die bis Heute ungebremst anhält. Wobei die Kritik an sich ja nicht neu ist, auch zur damaligen Zeit gab es sie in Form von literarischen Abhandlungen und Werken. Sie wurde damals nur ebenso wenig beachtet wie sie heute beachtet wird.

Damit wird das Buch zur schonungslosen und messerscharfen Gesellschaftskritik und zeigt Missstände auf, die der moderne Mensch längt überwunden glaubt. Ein Irrtum, das wird dem aufmerksamen Leser schnell klar, denn wie nie zuvor stehen wir vor dem endgültigen Ende der Menschlichkeit. Wobei jede Bewegung ja bekanntlich einen Gegenbewegung auslöst …
ISBN-10: 3894454687, ISBN-13: 9783894454685
Peer Zickgraf: Völkerschau und Totentanz
Jonas Verlag, 2012, 144 Seiten, Format: 23,8 x 16,8 x 0,6 cm
ISBN-10: 3894454687, ISBN-13: 9783894454685

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