Sieben Jahre Nacht

Sieben Jahre Nacht von Jeong Yu-jeong
Sieben Jahre Nacht von Jeong Yu-jeong
„Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Strafe des zum Tode verurteilten Choi Hyunsu am 27. Dezember um 9:00 Uhr vollstreckt wurde. Die Hinterbliebenen werden gebeten, ab dem 28. Dezember, 9:00 Uhr, den Leichnam zu übernehmen.“

So endete das Leben des ehemaligen Baseballspielers Choi Hyunsu, seit den Vorfällen von damals auch „das Stauseemonster“ genannt. Er ermordete ein kleines Mädchen, seine Frau und den Besitzer des Landschaftsparks am Seryong See. Danach öffnete er die Schleusen des Stausees und die Flutwelle riss zahllose Menschen in den Tod.

Seit diesem Vorfall sitzt er im Gefängnis und wartet auf sein Ende. Während der 17jährige Sowon irgendwie zu überleben versucht. Als Sohn des Stauseemonsters, verachtet, gehetzt und durchs ganze Land gejagt. Keiner will ihn haben und irgendwer sorgt stets dafür dass an jedem neuen Wohnort, an jeder neuen Schule sofort bekannt wird, wer er ist und was sein Vater getan hat.

Seit sieben Jahren irrt er so durchs Land, nirgendwo heimisch, keine Freunde, keine Zukunft. Nur der Onkel kümmert sich um ihn, bis zu dem Tag an dem er plötzlich verschwindet. Stattdessen erhält Sowon eine Kiste mit einem Manuskript. Die Geschichte seines Vaters, Details die er nicht kennt, gar nicht kennen wollte. Und ein Gegenstand der ihn förmlich dazu zwingt die Wörter zu lesen …

Schritt für Schritt rollt er die Vorfälle von vor sieben Jahren auf, wird er in die Geschichte hineingezogen. Die Geschichte seines Vaters, des ehemals sehr erfolgreichen Catchers der Baseballmannschaft „Hansin Fighters“. Nach seiner aktiven Zeit nur noch der Schatten seiner selbst, ein Trinker der unter dem Zorn seiner Frau leidet und einen miesen Job bei einer Sicherheitsfirma hat.

Die Geschichte eines Menschen der von vornherein nicht die geringste Chance hatte seinem schrecklichen Schicksal zu entkommen. Eines Menschen der mehr Opfer als Täter zu sein scheint, aber dennoch ein ganzes Dorf ausgelöscht hat.

Doch nicht alles hat sich so zugetragen wie es den Anschein hat, Sowon taucht ein in die Welt von damals, seine Erinnerungen als 10jähriger vermischen sich mit den Dingen die er erfahren muss. Er liest von einer Welt die ihren eigenen Gesetzen folgt, in der Menschen wie sein Vater nicht den Hauch einer Chance haben, gesteuert, getrieben werden, bis sie am Ende nur noch Geister sind.

Ein gewaltiger Thriller! Nicht weil er sonderlich blutrünstig wäre oder mit dergleichen Effekthascherei die Gunst des Lesers zu erlangen suchte. Vielmehr ist es das tiefe Eintauchen in die düsteren Abgründe der menschlichen Seele, dass einen an diese Geschichte so derart fesselt.

Die Autorin versteht es ihre Leser mit auf eine Reise zu nehmen, die sie nicht mehr so schnell aus ihren Gedanken bekommen. Mir zumindest wird die Geschichte noch einige Zeit folgen, aber aus diesem Grund liest man schließlich Thriller, oder?

Das Übrige tut der Erzählstil der Autorin, der wechselnd aus der Perspektive der Protagonisten berichtet und so Schritt für Schritt recht schonungslos das Gesamtbild zusammensetzt bis dem Leser klar wird was damals eigentlich passiert ist.

Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag, 2015, 528 Seiten, Format: 12,4 x 4,3 x 21,1 cm
ISBN-10: 3293004946, ISBN-13: 978-3293004948

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