Mein Freund Pax

Wenn mich ein Buch schon auf den ersten Seiten so berührt, dass mir echt die Tränen kommen, dann hat es schon gewonnen. Dieses Buch ist eines der schönsten Kinder- / Jugendbücher, die ich bisher gelesen habe. Es hat mich ganz tief drinnen berührt. Dieses Buch ist ein Herzöffner. Es zeigt einem, was wirklich wichtig ist in diesem Leben, wie schwierig das Leben doch manchmal sein kann, dass es gar nicht so einfach ist, seinem Herzen zu folgen und dass es sich doch lohnt, seinem Herzen trotz aller Widerstände zu folgen.

Es herrscht Krieg, Peter muss auf Geheiß seines Vaters seinen Fuchs Pax im Wald aussetzen, weil er in Zukunft bei seinem Großvater wohnen soll. Wie bezeichnend, dass der Fuchs mit dem Namen „Frieden“ in Zeiten des Krieges ausgesetzt und sich selbst überlassen wird.

Peter hat Pax als Welpen in einem Fuchsbau gefunden, die Fuchsmutter war wahrscheinlich tot sowie alle anderen Welpen im Bau. Peter nimmt Pax mit nach Hause und zieht ihn auf. Und zwischen den beiden entwickelt sich eine sehr innige Beziehung. Er fühlt sich mit seinem Fuchs eins, wie er später im Buch erzählt.

„Und dann erzählte er Vola, was er noch nie einem Menschen erzählt hatte – nämlich, dass er sich manchmal direkt eins fühlte mit Pax. Dass er manchmal einfach nicht wusste, wie sein Fuchs sich fühlte, sondern dass er dasselbe empfand wie er.“

Als Peter merkt, welch großen Fehler er begangen hat, indem er auf seinen Vater gehört hat, macht er sich auf den Weg, Pax zu suchen.

Interessant an der Geschichte ist, dass sie aus zwei Perspektiven erzählt wird, aus der Peters und aus der Pax‘.

Pax versteht zunächst gar nicht, was passiert ist. Er spürt, dass etwas anders ist, dass Peter irgendwie anders ist, weiß aber nicht, wie er es einordnen soll. Bis er merkt, dass Peter ihn verlassen hat. Aber selbst dann glaubt er, dass sein Junge jeden Moment zurückkommt, und er nur warten muss, bis er wieder abgeholt wird. Als er merkt, dass das nicht geschieht, muss er mit der neuen Situation fertig werden. Er hat nicht gelernt zu jagen. Außerdem lehnen ihn die anderen Füchse, die er trifft ab, weil er nach Mensch riecht. Nur ein älterer Fuchs begleitet ihn, als Pax sich auf den Weg nach Hause macht, mitten ins Kriegsgebiet hinein.

Peter schlägt sich inzwischen mehr schlecht als recht durch. Als er sich auch noch Fuß bricht, landet er bei Vola, einer sehr zurückgezogen lebenden Frau, die im Krieg einen Unterschenkel verloren hat. Vola verkörpert das, was der Krieg aus den Menschen macht. Sie war selbst im Krieg, hat Menschen getötet und sich selbst dabei verloren. Um sich wieder zu finden, hat sie sich für die Einsamkeit entschieden, auch weil sie glaubt, dass sie ein Monster ist, das von anderen Menschen ferngehalten werden muss.

Peter und Vola freunden sich an, ganz langsam und ganz vorsichtig. Beide sind sich durchaus ähnlich, Vola hat Angst vor dem, was sie im Krieg fähig war zu tun, und Peter hat Angst vor seinem im innewohnenden Jähzorn, den er vom Vater kennt und den er deshalb auf jeden Fall zu unterdrücken versucht. Und die beiden geben dem jeweils anderen, das was er braucht.

Peter zeigt Vola durch seine unerschütterliche Liebe zu seinem Fuchs und durch die Zuneigung, die er zu Vola entwickelt, dass sie durchaus eine liebenswerte Person ist und hilft ihr ihre Angst vor sich selbst und den Menschen abzulegen. Und Vola hilft Peter seine Verletzung auszukurieren, sie fertigt im Krücken an, lässt ihn trainieren, damit er Kraft hat, seinen Fuchs zu suchen. Am Ende lässt sie ihn ziehen, auch wenn es ihr schwerfällt. Und Peter hilft ihr, sich wieder unter Menschen zu trauen.

Pax erfährt inzwischen, wie es ist mit Artgenossen eine Familie zu bilden. Er bildet mit einer Füchsin und deren Bruder ein Rudel, das sich gegenseitig beschützt und unterstützt. Er lernt jagen und zeigt seinen Kameraden das, was er bei den Menschen gelernt hat.

Und durch Pax erfährt der Leser, wie Tiere den von Menschen geführten Krieg empfinden, welche Schwierigkeiten und Gefahren ihnen daraus erwachsen.

„Mein Freund Pax“ ist eine wunderschöne und ergreifende Geschichte über Liebe, Mut, Freundschaft und darüber, dass wahre Liebe loslässt, schlicht und wunderbar illustriert von Jon Klasen. Empfohlen für alle ab 10 Jahren.

Sara Pennypacker: Mein Freund Pax
FISCHER Sauerländer, 2017, 304 Seiten, Format: 14,3 x 2,9 x 21,9 cm
ISBN-10: 3737352305, ISBN-13: 978-3737352307

Unterstütze den Buchhandel vor Ort und kaufe beim Buchhändler deines Vertrauens, auch online unter www.genialokal.de.

No Comments

Post a Comment