Pawlowa oder Wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt

Ich oute mich hier und jetzt erst einmal als Eselfan. Ich kann nicht erklären warum, aber ich liebe diese sanften, klugen Tiere, die zu Unrecht als stur verschrien sind. Und genau deshalb musste ich dieses Buch lesen. Und es ist ein wunderbares Buch und eine zauberhafte Geschichte. Pawlowa, die Eselin, und der englische Gentleman Mr. B ergeben zusammen ein so wunderbares Paar, das einem das Herz aufgehen lässt.

Mr. B., fünfzig, Engländer und Journalist ist mit einem Fernsehteam in Peschawar, Pakistan unterwegs. Er möchte gerne über die Kultur und die Geschichte Pakistans berichten, während seine Kollegen lieber bunt bemalte Laster und Transporter filmen und ihn nötigen, Musikinstrumente auszuprobieren und an sämtlichen Essenständen das Essen zu probieren.

Da entdeckt Mr. B. eine Eselin, die noch viel zu jung zum Arbeiten ist und Wunden am Rücken vom Tragen der schweren Lasten hat. Da entschließt sich Mr. B. alles hinzuwerfen, die Eselin zu kaufen und mit ihr zu Fuß von Pakistan nach England zurückzulaufen. Sein Filmteam ist fast erleichtert, Mr. B. loszusein, und Mr. B. macht sich auf den Weg. Die Eselin nennt er Pawlowa, nach der berühmten Ballerina.

Doch ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hat, ist sein Unternehmen dann doch nicht. Seine erste Station ist ein Apotheker, dessen Geschäft als einziges an diesem Abend noch geöffnet hat. Faruk, der Apothker, verarztet Pawlowa und erklärt ihm so einiges über Esel. Nachdem Pawlowa noch so jung ist, darf sie nicht mehr als fünf Meilen pro Tag laufen, und sie darf auch keine schweren Lasten tragen. Das bedeutet für Mr. B., dass er Proviant und alles Nötige selbst tragen muss. Daran hatte er natürlich nicht gedacht. Er hält trotzdem an seinem Plan fest.

Und weil er so unbeirrbar daran festhält, ergibt sich im Laufe der Reise eine Möglichkeit nach der anderen und viele Probleme lösen sich einfach in Luft auf.

Pawlowa und Mr. B. sind nicht lange zu Fuß unterwegs, sie werden auf LKWs und in PKWs mitgenommen, fahren Bus und sogar Zug. Sie geraten nicht nur einmal in gefährliche Situationen, z.B. als sie mit einem Drogenkurier über die Grenze reisen, haben aber immer Glück. Die beiden werden an der türkischen Grenze verhaftet, werden aber vom britischen Botschafter in der Türkei nach Istanbul gebracht und verbringen dort ein paar wunderbare Tage als Gast des Botschafters. In Mazedonien treffen sie auf Hector, der sie in seinem Rolls Royce bis London mitnimmt. Und so nimmt die Reise der beiden ein glückliches Ende, nachdem sie alle Schwierigkeiten überwunden haben, und Mr. B. einfach nie aufgegeben hat.

Die Geschichte ist einfach zauberhaft, in einer ganz einfachen Sprache erzählt (erinnert mich ein bisschen an François Lelords Hector-Bücher), wunderbar atmosphärisch, elegant, charmant und ein bisschen britisch skurril. Ein wahrer Seelenschmeichler eben.

Brian Sewell: Pawlowa oder Wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt
Insel Verlag, 2017, 172 Seiten, Format: 12,6 x 1,7 x 20,4 cm
ISBN-10: 3458177000, ISBN-13: 978-3458177005

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