Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben

Die Geburt des ersten Kindes verändert bei vielen die Sichtweise (bei mir damals auch), schließlich ist man jetzt nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch noch für einen kleinen, hilflosen Menschen. Und diesem kleinen Menschen möchte man möglichst auch noch eine lebenswerte Welt hinterlassen. Deshalb fangen viele mit der Geburt des ersten Kindes an, ihren Lebensstil zu überdenken. So auch Hannah Sartin und Carlo Krauss. Die beiden entschlossen sich, Zero Waste zu leben, also keinen Privatmüll mehr zu produzieren.

Nun bin auch ich über die Vermeidung von Plastik zu Zero Waste gekommen, wobei ich noch weit entfernt bin von Zero Waste, und ich weiß auch nicht, ob ich jemals dahin kommen werde. Zero Waste strebe ich auch gar nicht an, denn auf bestimmte Dinge möchte ich nicht verzichten. Aber Müllvermeidung ist etwas, mit dem ich mich schon beschäftige, denn wir alle produzieren Unmengen von Müll, und vieles davon lässt sich ganz einfach vermeiden. Deshalb bin ich immer wieder für Anregungen dankbar. Und die hab ich diesem kleinen Büchlein gefunden.

Hannah Sartin und Carlo Krauss erzählen zunächst, was Zero Waste ist, wie das mit den Müllbergen ist und wie sie überhaupt auf die Idee gekommen sind, keinen Müll mehr produzieren zu wollen.

Die beiden Autoren orientieren sich bei ihrem Umstieg auf Zero Waste am Buch von Bea Johnson, einer Amerikanerin, die Zero Waste populär gemacht hat. Für Bea Johnson besteht Zero Waste aus den fünf R:

Refuse – Ablehnen, was man nicht braucht
Reduce – Reduzieren, was man braucht
Reuse – Wiederverwenden
Recycle – Recyceln
Rot – Verrotten bzw. Kompostieren

Und daran orientieren sich auch Hannah Sartin und Carlo Krauss. Sie geben Tipps zum Reduzieren, zum Wiederverwenden und zum Recyceln. Sie beschreiben ihren ersten Zero Waste Einkauf und die vermeidbaren Fallen, und erklären, was rechtlich möglich ist (z.B. in puncto in eigene Behältnisse abfüllen lassen).

Die Zero Waste-Küche lebt vor allem von Rezepten und Anleitungen, wie man Waschmittel und ähnliches selbst macht, ebenso das Zero Waste-Bad.

Interessant sind vor allem die Kapitel „Müllfrei mit der ganzen Familie“ – es ist schließlich nochmal etwas ganz anderes, müllfrei mit Kindern zu leben –, „Müllfrei im Job“ und der „Zero Waste – Urlaub“. Über müllfrei im Job hab ich mir z.B. noch nie Gedanken gemacht, außer dass ich meinen eigenen Kaffeebecher im Coffeeshop gegenüber auffüllen lasse. Aber Carlo verwendet im Büro-WC sogar sein eigenes, mitgebrachtes Handtuch, um keine Papiertücher zu verwenden.

Sympathisch fand ich, dass die beiden im Urlaub an ihre Zero Waste-Grenzen gestoßen sind. Das macht das Buch authentisch. Dem Leser wird nicht vorgegaukelt, dass Zero Waste  immer und überall funktioniert, wenn man nur will, sondern dass es auch Situationen gibt, in denen es einfach nicht funktioniert.

Müll vermeiden kann jeder, und es ist wirklich einfacher als man zunächst denkt. Man muss nur ein bisschen aus seiner Komfortzone herauskommen und mal um die Ecke denken.

Ein lesenswertes Buch, vor allem für die, die in Zero Waste einsteigen möchten.

Hannah Sartin, Carlo Krauss: Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben
mvg Verlag, 2017, 176 Seiten, Format: 14,9 x 1,5 x 21,1 cm
ISBN-10: 3868827218, ISBN-13: 978-3868827217

Unterstütze den Buchhandel vor Ort und kaufe beim Buchhändler deines Vertrauens, auch online unter www.genialokal.de.

No Comments

Post a Comment