Kleine Biester

Kleine Biester von Rob AlefBerlin-Kreuzberg. Der Tag hätte so schön sein können, Anna und Fred genießen ihn auf dem Spielplatz in ihrem vermutlich letzten Frühling als Grundschülerinnen. Bald würden sie aufs Gymnasium wechseln und so ihnen das Glück hold war, auf das begehrte Rosenhof.

Das liegt nicht nur ganz in der Nähe, es hat auch einen überaus guten Ruf und demzufolge auch eine sehr lange Anmeldeliste. Nur die geeigneten Schüler werden es dorthin schaffen, speziell diejenigen die sich besonders gut mit Insekten auskennen. Denn das ist der fachliche Schwerpunkt dort. Sogar die Schülerzeitung dreht sich um diesen Schwerpunkt, was nicht jedermanns Sache ist, aber man will keinesfalls aus der Rolle fallen. Denn so schwer wie man in diese Schule reinkommt so schnell ist man auch wieder draußen.

Wie auch immer, die Anwärter stehen enorm unter Leistungsdruck, aber von dem ist an diesem schönen Frühlingstag kaum etwas zu spüren. Alles ist perfekt, zumindest bis sich unter dem Sandkasten ein Loch öffnet und die verzweifelt kämpfende Anna verschluckt. Das eilig herbeigerufene THW findet unter dem Sandtrichter ein weit verzweigtes System aus alten Gängen, in Berlin keine Seltenheit, aber weit und breit keine Anna.

Ein tragischer Unglücksfall, ebenso tragisch wie der tödliche Unfall im Chemielabor, den Cem, einer von Annas Klassenkameraden, kurz darauf erleidet. Als aber Annas Fahrrad mit angesägtem Lenker gefunden wird, schöpft die Kriminalpolizei Verdacht. Hauptkommissar Pachulke nimmt sich mit seinem Team der Sache an und bald steht fest, Cem wurde kaltblütig ermordet und Anna vielleicht entführt?

Aber das war nicht alles, der Reihe nach sterben weitere Kinder dieser Klasse, allesamt stehen sie auf der Anwärterliste für das Rosenhof. Offenbar ist jemandem jedes Mittel recht um das eigene Kind dorthin zu bringen. Aber wer steckt dahinter und ist Pachulke mit dieser These überhaupt auf der richtigen Spur?

Nicht alle Vorfälle wollen ins Bild passen und immer noch gibt es keinen Hinweis auf die verschwundene Anna. Erst viel zu spät finden sie heraus was wirklich passiert ist und um ein Haar hätte es eine Katastrophe gegeben …

Zugegeben, das Buch ist nicht für jeden Geschmack geeignet. Der Autor wirft einige völlig überzogene Charaktere in einen Topf, mischt eine abstruse Story dazu und rührt einmal kräftig um. Es gibt einen völlig durchgeknallten Polizisten, das personifizierte Klischee eines Priesters, psychopatische Eltern und am Ende sogar noch ein paar Kreaturen die aus dem Jurassicpark entfleucht sein könnten. Dazu das zwar überzogen gezeichnete aber im Kern durchaus realistische Millieu der exklusiven Schule mit ihrer exzellenten Ausstattung, bestens qualifizierten Lehrkräften, der überregional bekannten und professionell gedruckten Schüler- und Abizeitung (geht auch im richtigen Leben, z.B. unter www.abizeitung-druckstdu.de) sowie Eltern aus besseren Kreisen oder solche die das gerne wären.

Aber die Kombination machts und genau die macht dieses Buch am Ende zu einer zwar völlig überzogenen aber gerade dadurch sehr bissigen und sehr unbequemen Gesellschaftskritik. Unbequem weil sich manche Eltern darin wiederkennen werden, ob sie wollen oder nicht. Ein gutes Buch, aber eben nicht für jeden, entweder man liebt es oder man hasst es. Ich gehöre zur ersten Kategorie und kann es jedem empfehlen, der sich der dunklen Seite der Gesellschaft nicht völlig verschließt. Und der eine oder andere schallende Lacher ist mir beim Lesen auch entfleucht, denn manche Szenen sind urkomisch.

Rob Alef: Kleine Biester
Unionsverlag, 2013, 348 Seiten, Format: 18,8 x 11,4 x 3 cm
ISBN-10: 3293206212, ISBN-13: 9783293206212

Die Gejagten – Ein Jack-Reacher-Roman

Die Gejagten - Ein Jack-Reacher-Roman von Lee Child
Die Gejagten – Ein Jack-Reacher-Roman von Lee Child
Typisch Jack Reacher. Da telefoniert er mit einer Frau und trampt dann durchs halbe Land, nur um sie mal live zu sehen. Gut, nicht einfach irgendeine Frau sondern Major Susan Turner, die Kommandeurin seiner früheren Einheit bei der Militärpolizei, quasi seine Nachfolgerin.

Als er endlich dort eintrifft, erlebt er allerdings eine Überraschung. Major Susan Turner ist nicht da, stattdessen ein Vertreter. Ein unsympathischer Kerl, der nichts besseres zu tun hat, als Reacher, der immer noch Reservist ist, umgehend einzuziehen.

Kurz darauf wird er des Mordes angeklagt und erfährt, dass auch Major Turner verhaftet wurde. Sie allerdings wegen Korruption. Beide Fälle stinken für Reacher gewaltig und natürlich lässt er sich nicht auf diese Weise kaltstellen. Nicht einmal, als ihm seine nebulösen Widersacher auch noch eine Vaterschaftsklage an den Hals hängen.

Reacher und Vater? Er würde die Herausforderung natürlich annehmen, aber das alles passt nicht wirklich zusammen. Zumal er sich an die angebliche Mutter nicht erinnern kann und das ist für ihn eher untypisch.

Nun könnte er sich natürlich auf seine Anwälte verlassen, aber das ist ihm zu unsicher. Kurzerhand bricht er aus dem Gefängnis aus, befreit noch eben auch Turner und gemeinsam begeben sie sich zuerst auf die Flucht und dann auf die Suche nach dem Grund für ihre Festnahmen.

Denn ebenso wenig wie Reacher für einen Mord verantwortlich ist, hat sich Turner bestechen lassen, da geht es wohl um etwas ganz anderes. Die Hintergründe herauszufinden ist allerdings nicht leicht, das geht in höchste Militärkreise, sie werden bald nicht nur von der Militärpolizei gejagt sondern auch vom FBI und von ein paar Bösewichten die offenbar in privatem Auftrag handeln.

Reacher und Turner setzen dennoch alles daran, ihre Unschuld zu beweisen und ihre Gegner zu bezwingen. Sollte ihnen das gelingen? Falls ja, dann auf Reacher-Art. Also kurzweilig und durchaus spannend zu lesen.

Wie immer keine nobelpreisverdächtige Literatur aber ein nettes Buch für den Strand oder die kleine Flucht aus dem Alltag. Lediglich das Ende ist gelinde gesagt, enttäuschend. Da hätte man mehr erwartet.

Lee Child: Die Gejagten – Ein Jack-Reacher-Roman
Blanvalet Verlag. 2016, 448 Seiten, Format: 14,8 x 4 x 22,1 cm
ISBN-10: 3764505427, ISBN-13: 978-3764505424

Das große Praxisbuch der Traumdeutung

Das große Praxisbuch der Traumdeutung von Klausbernd Vollmar
Das große Praxisbuch der Traumdeutung von Klausbernd Vollmar
Die Traumdeutung lag mal einige Zeit lang voll im Trend. Jeder hat seine Träume gedeutet oder das zumindest versucht. Es gab unzählige Ratgeber dazu und noch viel mehr Experten. Irgendwie ist es um dieses Thema aber ruhiger geworden, so zumindest mein subjektiver Eindruck.

Dabei sind unsere Träume nach wie vor ein Fenster zur Seele oder zumindest zur Psyche und sie verraten uns eine Menge über die Themen die im Alltag gerne zu kurz kommen.

Was mich persönlich immer an der ganzen Traumdeuterei gestört hat, waren die Pauschalisierungen. Ein alter Mann bedeutet dies, eine schwangere Frau das und ein Kaninchen jenes … so in dieser Art.

Aber kann das funktionieren? Traumdeutung nach Tabelle? Kann es natürlich nicht, ein Traum muss natürlich immer individuell gedeutet werden. Dennoch ist ein klein wenig theoretisches Hintergrundwissen nicht verkehrt. Und das soll das vorliegende Buch liefern, geschrieben von einem Experten, behauptet zumindest der Verlag.

Ich kann das nicht beurteilen, aber ich fand das Buch an sich gar nicht schlecht. Nach der unvermeidlichen Einführung in die Geschichte der Traumdeutung, spannt sich der Bogen von den Traumsymbolen über die Arten der Träume bis zur praktischen Deutung und Erinnerung daran.

Wer sich bislang noch nie mit seinen Träumen beschäftigt hat, der findet in diesem Buch sicherlich den einen oder anderen wertvollen Hinweis. Speziell wenn es darum geht, sich an seine Träume überhaupt erst einmal erinnern zu können.

Mir persönlich ist es, trotz aller gegenteiliger Bemühungen des Autors, immer noch zu steif und zu festgefahren. Es finden sich immer noch viele Elemente des alten „Tabellendeutens“ wie ich es oben erwähnt habe. Das kann natürlich hilfreich sein, für mich ist es das nicht. Aber das ist rein subjektiv und meine persönliche Meinung.

An sich finde ich das Buch also durchaus empfehlenswert, aber eben als theoretischen Hintergrund zur Thematik des Traumdeutens und nicht als alleinige Anleitung dazu.

Klausbernd Vollmar: Das große Praxisbuch der Traumdeutung
Knaur MensSana TB, 2011, 304 Seiten, Format: 25,4 x 3,2 x 19,2 cm
ISBN-10: 3426875349, ISBN-13: 978-3426875346

Vollmar, Klausbernd

V

Klausbernd Vollmar wurde im Jahr 1946 geboren und ist Diplompsychologe. Seit 20 Jahren veröffentlicht er bereits Bücher und Artikel zu den Themen Traum, Kreativität und Symbolik. Zudem veranstaltet er Workshops und in seiner therapeutischen Arbeit spielt seit vielen Jahren die Beschäftigung mit der Symbolik des Traumes eine große Rolle. Vollmar lebt an der englischen Ostküste.

Bücher von Klausbernd Vollmar:

Das große Praxisbuch der Traumdeutung von Klausbernd VollmarDas große Praxisbuch der Traumdeutung

Quantum Dawn

Quantum Dawn von Thore D. Hansen
Quantum Dawn von Thore D. Hansen
„Denver riss die Tür auf. Im nächsten Augenblick wurde er niedergestoßen, die Dielen vibrierten unter der Wucht seines Aufpralls“

Ein großer Fehler, aber wer schafft es schon, einem Profikiller zu entkommen? Seine Leiche landet im Park, ein weiterer Todesfall in der Finanzwelt. Neben den vielen Selbstmorden in letzter Zeit.

Die Scotland-Yard-Polizistin Rebecca Winter ist verzweifelt. Nicht weil es so viele Leichen gibt, die Spieler der Finanzwelt sind ihr herzlich egal, vielmehr war sie dem toten Jarod Denver seit langem auf der Spur. Nun würde er kaum noch aussagen und ihre Ermittlungen landen endgültig in der Sackgasse.

Aber er hatte etwas zurückgelassen, zwei Festplatten mit Daten darauf. Offenbar ein Algorithmus. Keine große Besonderheit in der Finanzwelt, schon lange agieren die großen Player nicht mehr persönlich an den Börsen sondern über Computerprogramme die viel schneller viel mehr Informationen verarbeiten können. Ganz legal ist das freilich nicht, aber letzten Endes sind die Behörden machtlos.

Die Auswertung der Daten ergibt allerdings schnell ein ganz anderes Bild. Dieses Programm scheint anders zu sein, selbst die Spezialisten vom Geheimdienst können sich seine Funktionsweise nicht vollständig erklären.

So wird der BND-Agent, Lebemann und Kryptologe Erik Feg hinzugezogen, den Winter zunächst mal gar nicht leiden kann. Aber er kommt dem Code auf die Schliche und was er da findet ist der blanke Horror.

Dieser Algorithmus hat das Potential die Börsen nicht einfach nur zu manipulieren, sondern das ganze System so zu zerstören dass es sich möglicherweise nie wieder erholen würde. Aber wer macht so etwas und warum?

Gemeinsam kommen sie einer Gruppe von Menschen auf die Schliche die scheinbar ehrenwerte Ziele verfolgen. Aber was Schein und Wirklichkeit ist lässt sich schnell nicht mehr voneinander trennen. Isoliert und ohne Unterstützung müssen die beiden schließlich auch um ihr Leben fürchten und dennoch das Schlimmste verhindern. Oder etwa nicht?

Die Handlung des Buches orientiert sich auf erschreckende Weise an realen Vorgängen innerhalb der Finanzwelt und der Politik. Das macht es spannend. Aber leider auch nur das. Ansonsten plätschert die Handlung so vor sich hin, es tut sich nicht wirklich etwas und überraschende Wendungen gibt es auch nicht.

Schade, da hätte man vermutlich mehr draus machen können. Und zum Aufwachen bringt es wohl auch nur die wenigsten der Leser, viel zu unbequem wäre das …

Thore D. Hansen: Quantum Dawn
Europa Verlag, 2015, 464 Seiten, Format: 13,9 x 4,2 x 22 cm
ISBN-10: 3944305795, ISBN-13: 978-3944305790

Selbst räuchern

Selbst räuchern von Maria Sartor
Selbst räuchern von Maria Sartor
Schon wieder ein Buch übers Räuchern? Ja, schon wieder, aber dieses Mal ganz anders. Hier geht es nämlich nicht um das Verräuchern von Pflanzenstoffen sondern um das Haltbarmachen von Fisch und Fleisch.

Das Produzieren der eigenen Lebensmittel liegt nämlich voll im Trend, zumindest für diejenigen die Platz und Zeit dafür haben. Neben dem Anbau von Gemüse und dem Einmachen desselben beschäftigen sich immer mehr Menschen mit dem Thema Fleisch, weil sie auch das nicht mehr vertrauensselig in die Hände irgendwelcher Dienstleister geben möchten. Oder mit den Worten eines Bekannten: „Den Dreck aus dem Supermarkt ess ich nicht“. Deutliche Worte, aber Recht hat er …

Nur dass sich Fleisch und Fisch nicht gar so einfach konservieren lässt wie Gemüse, aber es geht. Eine Methode ist das Räuchern und darum geht es in diesem Buch.

Nach einem kurzen Vorwort gibt es einige Einblicke in die Geschichte des Räucherns, die begann als die Menschen anfingen sesshaft zu werden und Lebensmittel zu konservieren. Vermutlich ist das Räuchern die älteste Methode Fisch und Fleisch haltbar zu machen.

Es folgen Erläuterungen zu den Vorgängen beim Räuchern und die verschiedenen Methoden, die verwendeten Hölzer, moderne Räuchergeräte, selbst gebaute Räuchergeräte und vieles mehr. Nach Abschnitten zu den Themen Trocknen und Pökeln folgen auch gleich die Grundrezepte für Fisch und Fleisch.

Hier wird dem Leser Schritt für Schritt erklärt wie man das Räuchergut vorbereitet und wie es geräuchert wird. Schon beim Lesen glaubt man den aromatischen Räucherduft in der Nase zu haben, das Buch macht große Lust es sofort selbst auszuprobieren.

Und die detaillierten Rezepte für Gerichte mit dem Selbstgeräucherten runden das Angebot so ab, dass der Leser wirklich sofort loslegen könnte. Wenn er denn die Gerätschaften schon zur Hand hat.

Wirklich umfangreich sieht das Buch auf den ersten Blick zwar nicht aus, aber es enthält alles was man für den Anfang wissen muss. Natürlich macht auch hier nur die Übung den Meister, aber das nötige Rüstzeug und den theoretischen Background findet man im Buch. Übersichtlich geordnet und für den Anfänger gut verständlich. Durchaus empfehlenswert.

Maria Sartor: Selbst räuchern
Heel, 2016, 128 Seiten, Format: 18,4 x 0,9 x 22,9 cm
ISBN-10: 3958433278, ISBN-13: 978-3958433274

Die Kunst des Fermentierens

Die Kunst des Fermentierens von Sandor Ellix Katz
Die Kunst des Fermentierens von Sandor Ellix Katz
Das Fermentieren ist eine der ältesten und auch heute noch mit Abstand wichtigsten Herstellungsverfahren von Lebensmitteln. Allerdings kann mit dem Begriff kaum einer von uns etwas anfangen, haben wir diesen Prozess doch schon lange hinter die Mauern von Fabriken und großen Produktionsanlagen verbannt.

Dort wird nicht nur Sauerkraut produziert, nein, auch Bier und Wein, Brot, Käse, Joghurt, Salami, Essig, Sojasauce, Schokolade, Kaffe, Tee und viele weitere Lebensmittel werden fermentiert – wir sind uns dessen nur nicht bewusst.

Was uns natürlich in eine fatale Abhängigkeit führt, in eine Abhängigkeit von wenigen großen Unternehmen die uns letzten Endes alles zu jedem Preis verkaufen können. Denn wer etwas nicht selber produzieren kann, der wird es kaufen müssen. Koste es was es wolle.

Zum Glück gibt es Menschen wie Sandor Ellix Katz die sich zurückbesinnen auf das was die Menschen vor dem Entstehen von Fabriken alles selber konnten. Und die dieses Wissen auch noch bereitwillig mit jedem teilen der sich dafür interessiert.

Und dazu holt er weit aus und beginnt bei der Entwicklung des menschlichen Lebens, das – so weiß es die Wissenschaft schon lange – ohne Mikroorganismen gar nicht entstanden wäre. Übrigens im Grunde die gleichen Organismen die wir heute zum Fermentieren unserer Lebensmittel einsetzen. Und die gleichen die wir gleichzeitig stets zu bekämpfen suchen. Sagrotan & Co. werden nicht umsonst in rauen Mengen verkauft. Ob da jemand an dem Ast zu sägen versucht, auf dem er sitzt?

Wem dieser Einstieg zu theoretisch ist, der kann ihn natürlich auch überspringen und gleich zu den Kapiteln über die Fermentation in der Praxis springen. Hier geht der Autor übrigens auch auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen fermentierter Lebensmittel ein.

Danach wird es noch praktischer denn es geht an die grundlegenden Konzepte und das Zubehör das man braucht um loslegen zu können – gar nicht so viel wie man schnell feststellen wird. Es folgen Kapitel zur Herstellung von Met, Wein und Cidre, zur Fermentierung von Gemüse und Früchten, zu Erfrischungsgetränken, Milch, Getreide und vielen weiteren Themen bis hin zu Fleisch und Fisch.

Es finden sich sogar Kapitel zum Einstieg in die gewerbliche Produktion fermentierter Lebensmittel und zu Anwendungsmöglichkeiten ausserhalb des Lebensmittelbereiches von der Landwirtschaft bis zu Medizin und sogar Kunst.

All zu viele Rezepte ala Kochbuch wird man in diesem Werk nicht finden, allenfalls ein paar am Rande. Dem Autor geht es vielmehr darum, dass der Leser versteht wie ein Fermentationsprozess vom Prinzip her abläuft. Er stellt die Konzepte dahinter vor, gibt Mengenverhältnisse vor und Verfahrensparameter.

Dadurch kommt der Leser in die Lage selber seine Rezepte zu entwickeln und langfristig gar nicht mehr auf ein solches Buch angewiesen zu sein. Man braucht nur ein klein wenig Mut es einfach mal zu probieren. Mal ehrlich, was kann denn schon passieren, ausser dass es mal nicht schmeckt?

Definitiv das Standardwerk zum Thema!

Sandor Ellix Katz: Die Kunst des Fermentierens
Kopp Verlag, 2015, 621 Seiten, Format: 18,2 x 5 x 24,6 cm
ISBN-10: 3864452376, ISBN-13: 978-3864452376

Heimische Räucherpflanzen

Heimische Räucherpflanzen von Thomas Kinkele
Heimische Räucherpflanzen von Thomas Kinkele
Es ist tatsächlich das vierte Buch zum Thema Räuchern, das ich vom Autor Thomas Kinkele hier vorstelle. Aber langweilig wird es deshalb noch lange nicht, auch falls das System nach dem Kinkele die Räucherstoffe einsetzt, schon bekannt sein sollte.

Dieses Buch beschäftigt sich ganz speziell mit den Räucherpflanzen die wir praktisch vor der Haustüre haben. Denn es muss nicht immer das exotische Harz sein, so ziemlich jede Pflanze lässt sich verräuchern und hat eine Botschaft für uns.

Diese Botschaften lassen sich sowohl therapeutisch nutzen als auch einfach „nur so“ zum Spaß. Eine Pflanzenräucherung muss nicht immer einen ernsten Hintergrund haben, das macht der Autor deutlich.

Und wo es schon um heimische Pflanzen geht, verknüpft sie der Autor auch gleich mit dem heimischen Jahreslauf, von den Rauhnächten um den Jahreswechsel über Beltane und Lugnasad bis hin zur Wintersonnenwende.

Den weitaus größten Teil des Buches nehmen die Portraits von 54 heimischen Pflanzen ein, die sich zu Räucherzwecken verwenden lassen. Sie alle werden durch anschauliche Fotokollagen bildlich dargestellt und durch ausführliche Texte beschrieben. Mythen und Legenden kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Botschaft des jeweiligen Pflanzenduftes und viel Wissenswertes zu den Anlässen zu denen die Pflanze verräuchert werden kann.

Dabei wirkt auch dieses Buch, wie die anderen von ihm, keinesfalls dogmatisch. Die Bedeutungen der Pflanzenbotschaften und die Anlässe sie zum Wirken zu bringen verstehen sich stets als Anregungen. Jeder Leser ist aufgefordert, seine ganz eigenen Erfahrungen damit zu machen.

Das Buch stellt eine Mischung aus handfestem Pflanzenwissen, Räuchertheorie und -praxis sowie mythischem und magischem Wissen dar. Damit ist es eine gute Ergänzung zu den anderen Büchern von Thomas Kinkele und mindestens ebenso empfehlenswert.

Thomas Kinkele: Heimische Räucherpflanzen
Windpferd, 2010, 184 Seiten, Format: 15 x 1,5 x 21,6 cm
ISBN-10: 3893856153, ISBN-13: 978-3893856152

Der Gehörnte. Eine Hommage an das Wilde im Mann

Der Gehörnte. Eine Hommage an das Wilde im Mann von Voenix
Der Gehörnte. Eine Hommage an das Wilde im Mann von Voenix
Der Gehörnte? Ach gottogott … darf man denn sowas lesen? Muss man sich da nicht Sünden fürchten? Ist nicht das Wilde, Ungezähmte heutzutage längst politisch inkorrekt?

Vermutlich ist es das, aber genau das ist Teil des Problems. Speziell wir Männer haben unsere Seele verkauft. An die Gesellschaft, an den schnöden Mammon, an wen auch immer. Aber verkauft haben wir sie. Männer dürfen schon lange keine Männer mehr sein.

2000 Jahre Kirche haben ganze Arbeit geleistet. Der zahme Rest der vom „Wilden Mann“ noch übrig ist, versteckt sich in Schauergeschichten oder wird mittels Computerspiele in die Gehirne unserer Kinder geprügelt – natürlich wundert man sich dann warum sie gewalttätig werden … aber darüber spricht man nicht, das löst der Therapeut im Hinterzimmer. Da gibts dann sicher was von Ratiopharm.

Aber nun genug der Gesellschaftskritik, denn um die geht es ja gar nicht. Sondern über einen, der sich getraut hat, ein ganzes Buch über den Gehörnten zu schreiben. Oder nennen wir ihn doch beim Namen, über den Teufel … obwohl … das trifft es ja gar nicht, denn das was wir unter dem Teufel verstehen ist ja genau wieder das künstliche Bild, das die Kirche geschaffen hat. Womit wir dann direkt wieder bei der Kritik wären.

Aber woher kommt er eigentlich und wer ist er, der Gehörnte? Um das zu beantworten muss man weit in der Geschichte zurückreisen und landet dann bei Pan, Cernunnos, dem Grünen Mann und vielen weiteren. Allesamt gehörnt, verkörpern sie doch keinesfalls „das Böse“. Vielmehr geht es um Fruchtbarkeit, Leben, Schutz, Kraft und Stärke aber auch um Liebe und Verlangen, Trieb und Gewalt, Schuld und Erlösung, alles nebeneinander und ausgewogen.

Genau das fehlt dem „modernen Mann“ heute, woher soll es auch kommen. Die väterlichen Vorbilder früherer Zeit sitzen heute hinterm Schreibtisch und verkaufen Versicherungen, der Archetyp des gehörnten Gottes findet sich allenfalls noch kurz aufblitzend in einer kaum greifbaren Sehnsucht. Wer sich als Mann auf die Suche nach seiner wahren Identität begibt, der hat es schwer.

Aber vielleicht hilft ja dieses Buch weiter. Bildgewaltig ist es auf alle Fälle und informativ ebenfalls. Auch wenn so manche Anekdote über den Autor nicht jedem gefallen wird. Auch das eine oder andere Bild könnte Anstoß erregen, jugendfrei sind sie allesamt nicht. Aber für Kinder wurde das Buch auch nicht geschrieben, wobei die vermutlich noch den zwanglosesten Umgang mit seinem Inhalt pflegen würden.

Man merkt auf jeden Fall wie intensiv sich der Autor dem Thema und damit natürlich auch seiner eigenen Männlichkeit gewidmet hat. Etwas, das so manchem passiv-aggressiven Schreibtischtäter ganz gut täte – und damit auch der gesamten Gesellschaft.

Voenix: Der Gehörnte. Eine Hommage an das Wilde im Mann
Edition Roter Drache, 2013, 192 Seiten, Format: 22 x 1,7 x 30,4 cm
ISBN-10: 3939459674, ISBN-13: 978-3939459675